David Raum (M.) & Co. beim Training. © Gambarini/dpa
Herzogenaurach – Die in Bundesliga und Champions League supersouveränen Bayern: Fünf Mann hoch angereist. Die Dortmunder: Ebenfalls eine Fünfer-Gruppe, die im Vereinstrikot schon lange nicht mehr verloren hat. Es sieht so aus, als könnten am Freitag in Sinsheim (20.45 Uhr) beim nächsten und auf einmal so wichtig gewordenen WM-Qualifikationsspiel gegen Luxemburg auch zwei Leipziger auflaufen, David Raum und Ridle Baku auf den Außenverteidiger-Positionen – und für die beiden Rasenballer gilt ebenso: Derzeit läuft es bei ihnen im Club. „Wir haben die richtige Richtung eingeschlagen, nachdem wir am Anfang gestolpert sind“, sagt Raum. Der Stolperer war eine 0:6-Klatsche bei den Bayern – sie gilt als verarbeitet.
Die deutsche Nationalmannschaft darf sich keinen weiteren Aussetzer mehr leisten in der Qualifikationsrunde zur Weltmeisterschaft 2026, nachdem sie gegen die Slowakei in Bratislava den Schock einer 0:2-Niederlage erlitten hat. Sie sollte, um im November im Rückspiel gegen die Slowaken ein Finale um den ersten Gruppenplatz zu haben, das anstehende Länderspiel-Doppel erfolgreich gestalten. Heißt: deutlicher Sieg gegen Luxemburg, weil es auch auf die Tordifferenz ankommen kann, und am Montag dann drei Punkte in Belfast, was normal ein schwierigeres Unterfangen ist als Nordirland zuhause (in Köln konnte man 3:1 gegen die Briten gewinnen). Die Liste der Ausfälle (ter Stegen, Rüdiger, Havertz, Musiala, Kleindienst) ist nicht unbedeutend, da fehlt tatsächlich die viel zitierte Qualität – auf der anderen Seite sollte das Hoch, das wesentliche Spieler gerade in ihren Vereinen erleben, auf das DFB-Team übertragbar sein. Oder überkommt der Blues von Bratislava die Truppe wieder (zumal sie sich abermals in Herzogenaurach getroffen hat, von wo aus man im September aufbrach)?
Für den Leipziger Raum spielt es eine Rolle, in welcher Stimmung „man aus seinem Verein kommt“. Beim letzten Mal, so findet er, war man noch nicht richtig drin in der Saison, „wir hatten wenig Zeit fürs Training und mussten gleich auswärts ran“. Diesmal ist das erste Spiel nicht schon am Donnerstag, sondern erst am Freitag, es wird Zeit gewonnen für Videoanalysen und Besprechungen. Die erste war gleich am Montag. Was hat Bundestrainer Julian Nagelsmann gesagt? „Er hat uns herzlich willkommen geheißen“, witzelt Aleksandar Pavlovic. Im Ernst: „Dass wir Gas geben müssen.“ Für den Münchner ist nun „einen Ticken noch klarer, worum es geht“. Er spricht für die FC-Bayern-Fraktion: „Wir versuchen das Bestmögliche, um unser Selbstverständnis hier rüberzubringen.“
Neben dem Resultat geht es am Freitag „um das gute Gefühl“. Nachdem in Köln trotz des Sieges auch der Unmut des Deutschland-Publikums vernehmbar geworden war, wünscht sich die Nationalmannschaft mal wieder eineinhalb Stunden ohne Störgeräusche. „Wir wollen das positiv gestalten von der ersten bis zur letzten Minute“, fasst Raum die Vorsätze zusammen, „wir wollen die Fans auf unsere Seite bringen – und das geschieht mit Toren.“ Wobei man sich auch auf ein Geduldsspiel einstellen sollte, wie Aleksandar Pavlovic meint: „Ball laufen lassen und warten, bis sich die Gelegenheit für einen Schuss oder den Steckpass ergibt.“ Nicht jedes Team kann ein Blitzstarter sein wie derzeit die Orginal-Verins-Bayern.GÜNTER KLEIN