Gefühlswelten: Toronto jubelt, New Yorks Aaron Judge trägt Trauer. Mal wieder. © Al Bello/AFP
New York – Durch die Gänge des Yankee Stadiums dröhnte zur Feier des Tages Frank Sinatras „New York, New York“. Es wurde so viel Schampus verspritzt, dass die mit Plastikplanen abgehängten Wände tropften, Spieler und TV-Reporter trugen Skibrillen, damit sie nichts in die Augen bekamen. So weit, so erwartbar. Allerdings, und dumm für die Hausherren: Ihre traditionelle Siegeshymne schallte aus der Kabine der Toronto Blue Jays.
Die glorreichen Yankees selbst sangen den Blues. Wieder mal. Es ist bereits 16 Jahre her, dass der Rekordmeister zum 27. Mal die World Series in der Major League Baseball (MLB) gewann – untragbar für diese ikonische Franchise und ihre Fans. Nach der klaren Niederlage in der finalen Serie gegen die Los Angeles Dodgers im Vorjahr, war nun schon im Viertelfinale Schluss – 2:5 im vierten Spiel, 1:3 in der Serie „best of five“. Jährlich grüßt das Murmeltier.
„Die Yankees stecken in einer Endlosschleife fest – und es fällt immer schwerer zu glauben, dass sie jemals einen Ausweg finden werden“, ätzte das Boulevardblatt New York Post. Mehr als 300 Millionen Dollar an Gehältern und damit 65 Millionen mehr, als „steuerfrei“ erlaubt von der MLB, zahlte Clubbesitzer Hal Steinbrenner in diesem Jahr – für nichts und wieder nichts, wie er selbst einsah: „Diese Mannschaft existiert, um Meisterschaften zu gewinnen.“
Steinbrenner und sein General Manager Brian Cashman hatten noch einmal gewaltig investiert, um der quälenden Warterei endlich ein Ende zu setzen. Der Kader, urteilte die Post, sei „wieder mal gut genug“ gewesen, „um sehr gut zu sein. Aber nicht großartig. Nicht historisch.“
Die Yankees hatten vor dieser Saison das Wettbieten um Juan Soto verloren, der für 765 Millionen Dollar für 15 Jahre von der Bronx nach Queens zum Lokalrivalen Mets ging. Große Namen kamen dennoch, und in Aaron Judge haben die Yankees ohnehin einen Superstar unter Vertrag. Auf den Kapitän war allerdings wieder mal nur in der „regular season“ Verlass. Daneben offenbarten sich alte Schwächen: wackelige Werfer, Defizite in der Defensive, Unbeständigkeit in der Offensive.
Der vor der Saison verpflichtete Routinier Paul Goldschmidt war am Ende geradezu entsetzt. „Ich bin hierhergekommen“, sagte er, „um eine Meisterschaft zu gewinnen. Aber das hier ist nicht das, wofür ich unterschrieben habe.“ Talent sei ausreichend vorhanden gewesen, betonte der siebenmalige All-Star und zweimalige National-League-MVP, „aber Talent allein reicht nicht im Oktober.“ Im Oktober, Synonym für den Kampf um den Titel, „geht es darum, dass du ablieferst“.
Ja, sagte auch Superstar Judge, „wir haben in den entscheidenden Momenten nicht geliefert“. Und ja, „irgendwann reicht ‚fast‘ einfach nicht mehr“. Der glücklose „Manager“, also Chefcoach Aaron Boone, wird es wohl als Erster zu spüren bekommen. SID