Größter Karriere-Erfolg: Philipp gewann die Ironman-WM in Nizza. © Bouton/Imago
Akklimatisierung auf Hawaii: Laura Philipp trainiert bereits auf der Insel für ihren Traum der Titelverteidigung. © Instagram
Kailu-Kona – An eines wird Laura Philipp in den entscheidenden gut acht Stunden im Urlaubsparadies nicht denken: was sie sich Schönes von der Siegprämie von 125 000 US-Dollar (rund 106 000 Euro) gönnen könnte. „So entspannend sind die Rennen nicht“, sagt die 38 Jahre alte Heidelbergerin – und lacht. Schon gar kein Weltmeisterschafts-Rennen, schon gar nicht in Hawaii, dem Ironman-Mekka schlechthin.
Und überhaupt nicht für die Frau, die ab 18.25 Uhr MESZ am Samstag mit der Nummer 1 der Titelverteidigerin über 3,86 Kilometer Schwimmen, 180,2 Kilometer Radfahren und 42,2 Kilometer Laufen antritt. Philipp, triumphale Gewinnerin vor einem Jahr in Nizza, ist die Gejagte. „Es in Hawaii zu schaffen, wäre auf jeden Fall eine krasse Krönung“, sagt sie selbst.
Mehr als hart wird es, ob im wellenreichen Wasser des Pazifiks, auf dem legendären Queen K Highway und den teilweise furchterregend einsamen Kilometern der Laufstrecke in brütender Hitze und bei einer extremen Luftfeuchtigkeit. Hawaii ist und bleibt in der Triathlon-Welt der Sehnsuchtsort, in Hawaii wurde der Ironman vor fast einem halben Jahrhundert 1978 geboren. Im kommenden Jahr werden die Frauen und die Männer auch wieder zusammen in einem Rennen dort antreten. Die Aufsplittung in zwei Rennen, die abwechselnd jeweils in Nizza und Hawaii stattfanden, ist dann wieder Geschichte.
Es in Nizza und Hawaii zu schaffen, ist bisher auch noch keinem Mann gelungen. Ihr Sieg vor einem Jahr auf der Promenade des Anglais war Philipps bisherige Karriere-Höhepunkt. Auf die Frage, was sich seit diesem Tag verändert hat, sagt sie: „Dass ich jetzt denke, dass ich alles schaffen kann.“ Durch den WM-Titel in Nizza sei eine mentale Barriere durchbrochen worden.
Wie zum Beweis legte Philipp in diesem Jahr mit der Ironman-Weltbestzeit in Hamburg nach, wenige Wochen später bejubelte sie ihren ersten Sieg bei der Challenge Roth. Und nun Hawaii. 2022 kam Philipp als Vierte ins Ziel in Kailua-Kona, 2023 wurde sie Dritte.
Rund vier Wochen vor dem Start an diesem Samstag reiste sie mit ihrem Trainer und Ehemann Philipp Seipp an. Zunächst gut drei Wochen Vorbereitung und vor allem Akklimatisierung auf Maui, dann weiter nach Kailua-Kona. Mit dabei sind abwechselnd beziehungsweise nicht ganz so lange eine Physiotherapeutin, ein Radmechaniker und ein Osteopath. Mensch und Maschine müssen funktionieren. Das hat aber auch seinen Preis. Eine hohe fünfstellige Summe hat Philipp für den WM-Trip veranschlagt.
Als Langstreckenathletin gehört Philipp keinem Förderprogramm an wie beispielsweise Kaderathletinnen und -athleten.„Ich kann natürlich nicht sagen, wie es ist, wenn man in diesem Verbandssystem steckt – weil ich eben noch nie drin war. Ich bekomme aber am Rande mit, wie das für Sportler ist, die zum Beispiel vom Verband Vorlagen bekommen, auch für bestimmte Partner“, sagt sie: „Und da muss ich sagen, bin ich froh, freibestimmt zu sein.“ Zu Beginn ihrer Profikarriere arbeitete sie parallel noch als Physiotherapeutin. Längst ist aber auch bei ihr der Sport der Beruf.
Auf Hawaii heißen ihre ärgsten Konkurrentinnen Chelsea Sodaro aus den USA, die 2022 Weltmeisterin wurde, und die Britin Lucy Charles-Barclay. Die 32-Jährige beendete im Jahr darauf ihr Vize-Trauma nach vier zweiten Plätzen in Folge. Die bislang einzige deutsche Hawaii-Gewinnerin – Anne Haug (42) triumphierte 2019 – beendete heuer ihre Karriere. Zeit, dass Philipp in ihre Fußstapfen tritt.DPA