Er wüsste, wie‘s geht: Michael Köllner. © Sampics
Wie läuft die Suche? Präsident Gernot Mang mit NLZ-Chef Manfred Paula (r.), dem Leiter der Trainerfindungskommission. © Sampics / Stefan Matzke
München – Heute oder am Sonntag – je nachdem, wie man Gernot Mang auslegt – soll es so weit sein. „Wir hoffen wirklich, dass wir bis Ende der Woche einen neuen Trainer an der Seitenlinie haben“, sagte der Löwen-Präsident nach dem 0:1 in Wiesbaden im BR. Dass er am Dienstag ergänzte, es sehe „nicht so schlecht aus“ bei der Suche, mag ein Hinweis auf Freitag sein. Oder aber es war als Appell an jenen Mann gedacht, der bei 1860 mit der Trainersuche betraut wurde: Manfred Paula, hauptberuflich Leiter des NLZ, nach dem Rauswurf von Christian Werner aber vorübergehend ins Geschäftsführerbüro umgezogen.
Die wenigsten Löwen kennen Paula besser oder wissen, wie er tickt. In sechs Jahren bei 1860 hat er selten für Schlagzeilen gesorgt. Wer also ist der Mann, von dessen Händchen nun abhängt, ob die Löwen den erhofften Toptrainer bekommen? Paulas Kurzbiografie: Geboren 1964 in Augsburg, abgeschlossenes Studium als Sportökonom. Landesligakicker (SSV Petersdorf), später mehrmals Trainer in Aindling. 2005 wurde er Sportlicher Leiter beim FC Ingolstadt, führte die Schanzer in die Regionalliga. Kurz darauf machte er seinen Fußballlehrer unter Erich Rutemöller. Nach einem Kurzgastspiel beim SSV Ulm übernahm er 2011 den Nachwuchs des FC Augsburg, war dort zeitweise auch „Manager Sport“ des Bundesligateams. 2019 schließlich – nach einem Intermezzo beim 1. FC Kaiserlautern – landete er im NLZ der Löwen.
Bei 1860 arbeitet Paula seither im Hintergrund, hält den Nachschub an Talenten am Laufen. In einem Interview mit unserer Zeitung sagte er im Mai 2023: „Einer meiner Leitsprüche ist: Die Qualität in der Ausbildung steht und fällt mit der Qualität der Ausbilder.“ Mit anderen Worten: Taugt der Trainer nix, ist man als Fußballer auf verlorenem Posten.
Bleibt Paula diesem Leitsatz treu, könnte das erklären, warum sich die Suche so hinzieht. Toptrainer, die sich 1860 leisten kann und die ihrerseits Lust auf einen Schleudersitz haben, sind rar – besonders in der Frühphase einer Saison. Entsprechend lang ist die Liste der Streichkandidaten. Von A wie Anfang bis W wie Walter.
Geblieben sind zwei Namen: Markus Kauczinski und Tomas Oral. Denkbar, dass es auch Kandidaten gibt, von denen die Öffentlichkeit nichts weiß. Einer hält sich selbst im Gespräch: Michael Köllner, der Ex-Löwe (2020 bis 23). Am Dienstag, beim 11:1 in Amberg, war er sogar vor Ort. Ein Beitrag auf LinkedIn ist so zu deuten, dass er sich eine Resthoffnung bewahrt hat, noch einmal bei 1860 zum Zug zu kommen.
Als erfahrener Trainer und Buchautor gibt Köllner Tipps, wie Vereine nach einem Fehlstart zurück in die Spur finden können. „Manchmal reicht die Klarheit über Rollen, um eine Mannschaft zu stabilisieren“, schreibt er allgemein: „Wenn Spieler nicht wissen, wo sie stehen – ob als Kapitän, Stammkraft oder Bankspieler – fehlt die Klarheit. Erst in der Kabine, dann im Verein, am Ende auch im Umfeld. Sind die Rollen aber klar verteilt, entsteht Halt. Und Halt schafft Vertrauen.“
Wer will, kann in diesen Zeilen eine Job-Bewerbung sehen. In einem Punkt hat Köllner auf jeden Fall Recht: 1860 braucht Klarheit – vor allem auf der Trainerposition. Jeder Tag, der tatenlos verstreicht, ist ein verlorener Tag mit Blick auf Duisburg (Sonntag, 19. Oktober, 16.30 Uhr). Paula sollte also liefern, möglichst noch vor dem Wochenende.ULI KELLNER