Richtig eingekauft? Red-Bull-Eishockeychef Christian Winkler mit seinem Assistenten Neville Rautert. © Red Bull/City-Press
München – Gewonnen. Das war zuletzt nicht oft der Fall gewesen. Aber 3:2 in Nürnberg, das tat erst mal gut. Ein Schritt aus „dem Loch, das wir uns selbst gebuddelt haben“, so Christian Winkler, der Sportchef des EHC Red Bull München. Die Vorgabe eines konstanten Spiels über 60 Minuten erfüllte die Mannschaft aber nicht. Fünf Minuten misslangen gründlich, Nürnberg erzielte in dieser Phase aus einem 0:2 heraus seine beiden Tore. Fast wäre es also wieder passiert, „dass wir wieder ins Loch fallen“, so der derzeit vom Stürmer zum Verteidiger umfunktionierte Maxi Kastner. An diesem Abend blieb der EHC dann außerhalb der Grube stehen.
Ist das nur ein Fortschritt, wie er erforderlich ist, um am Sonntag (16.30 Uhr) bei den Adlern Mannheim bestehen zu können? Der EHC schaffte es, die ihn aushebelnden Kontersituationen zu reduzieren. „Die meisten Gegentore haben wir durch Konter gekriegt“, blickt Maxi Kastner auf vergangene Spiele wie die 3:6-Niederlagen in Ingolstadt und Straubing oder das 5:7 gegen Wolfsburg zurück. Verglichen damit war das 3:2 in Nürnberg ein ruhiges Spiel mit einer gesitteten Abwehrleistung.
Doch wohin treibt es den EHC? Die aktuell betriebene Personalpolitik sorgt für Verwunderung. Dass mit Antoine Bibeau ein vierter Torwart verpflichtet und somit die traditionell für späte Notfälle aufgehobene zehnte Importspielerlizenz geopfert wurde, sorgte auch in der Mannschaft für Verwunderung. Maxi Kastner stand am Donnerstagabend etwas verlegen am Magentasport-Mikrofon, als er um eine Einschätzung der Personalie gebeten wurde. Nach einigem Nachdenken sagte er: „Ich gebe dazu keinen Kommentar ab. Wir haben viele Gegentore bekommen, aber es ist keine Torwart-Sache.“
Klar: Kastner will nichts Negatives sagen über die Torhüter, die man hat. Mathias Niederberger ist einer der Stars im Team Simon Wolf, der in Nürnberg gut hielt, das Talent seines Jahrgangs, er soll aufgebaut werden. Auch Matthias Bittner hat im U-Bereich Meriten gesammelt. Bleiben wieder zwei Nachwuchsleute in München auf der Strecke – wie zuvor Daniel Fiessinger, Daniel Allavena und Christopher Kolarz, die alle keine DEL-Keeper geworden sind, obwohl der Club glaubt, in Patrick Dallaire einen außergewöhnlich guten Torwarttrainer zu haben?
„Wir haben immer ein Auge auf den Torwart-Markt gehabt“, sagt Christian Winkler, „das hat nichts mit Mathias Niederberger zu tun. Er wird auch noch Geschichte schreiben.“ Aber man habe sich daran erinnert, wie man 2015 um diese Jahreszeit herum zu Danny Aus den Birken mit David Leggio einen zweiten fertigen Torhüter verpflichtet hatte – und mit dieser Konstellation Meister 2016, 17 und 18 wurde. „Wir wollten einfach die Position stärken, das war so eingeplant.“ Kastner ließ eher Zweifel anklingen. Man habe ja schon jetzt „zwei Super-Torhüter gehabt, die wir reinstellen können. Wir müssen uns nur bei den gegnerischen Rushes an die Nase fassen“. Womöglich würde man das mit einem starken Verteidiger eher realisieren können.
Vielleicht orientiert sich der EHC bei der Torwartbesetzung auch an Spitzenreiter Mannheim, der Maxi Franzreb und den Schweden Johan Christer Mattson rotieren lässt. Im Gespräch gewesen war in Mannheim vor der Saison auch: Antoine Bibeau. Jetzt hat ihn München.GÜNTER KLEIN