ZUM TAGE

Europas Sport vor einem Meilenstein

von Redaktion

Beschluss des EU-Parlaments

Es war am Ende natürlich ein Zufall, dass die Reaktion der großen Politik auf den neuesten Vorstoß der NBA in Richtung Europa folgte. Aber der Beschluss des EU-Parlaments passte bestens zur aktuellen Ankündigung aus Übersee, man werde schon 2027 einen Europa-Ableger der besten Basketball-Liga der Welt auf den Weg bringen. Denn der Beschluss, den man in Brüssel mit bemerkenswerter Einigkeit verabschiedete, könnte sich genau für die Pläne des ambitionierten NBA-Comissioners Adam Silver als ein Fallstrick erweisen.

Was die Abgeordneten konkret einfordern, ist der Schutz des traditionellen europäischen Sportsystems. Und zwar auf allen Ebenen. Die wichtigsten Schlagworte: Man will verhindern, dass der Sport auf dem alten Kontinent zur Business-Spielwiese für Investoren außerhalb der EU verkommt. Die Vernetzung zwischen Profi- und Leistungssport soll auch weiterhin garantiert sein. Und man will keine geschlossenen Gesellschaften zulassen, keine Ligen, in denen die Zulassung auf Einladungen oder Investment basiert. So wie es die NBA eben praktiziert.

Zugegeben, im Moment hat der Beschluss noch keine unmittelbaren Auswirkungen. Das 55 Punkte starke Papier ist zunächst einmal als etwas zwischen Empfehlung und Forderung an die EU-Kommission zu verstehen. Doch die gewaltige Mehrheit von 552 Abgeordneten (52 Gegenstimmen) aus allen politischen Lagern gibt der Initiative Gewicht.

Das könnte Folgen haben. Auf den Basketball, in dem sich Europas Platzhirsch Euroleague zumindest schon einmal als Punktsieger sehen darf. Winkt die EU-Kommission den Beschluss durch, dann ist eine Zukunft ohne die bisherige Königsklasse kaum denkbar. Doch die Sache könnte auch den großen Fußball erfassen. Und damit sind nicht nur die immer wieder aufkochenden Pläne einer Superleague gemeint. Jenes Clubs der Allerbesten.

Auch auf Clubs wie Paris Saint-Germain oder Manchester City würde die Europäische Union wohl ein strengeres Auge werfen. Vereine, die bekanntlich nicht viel mehr als Investmentspielzeuge außereuropäischer Geldgeber sind. Nicht umsonst heißt es im Resolutionstext: „Die EU-Kommission soll alle verfügbaren Instrumente nutzen, um das europäische Sportökosystem vor Initiativen zu schützen, die seinen Wert ins Ausland verlagern wollen.“

Es wäre zu früh zu sagen, ob der europäischen Sportlandschaft eine Zäsur wie nach dem Bosman-Urteil droht. Ein Meilenstein könnte der Beschluss aus Brüssel aber allemal werden. patrick.reichelt@ovb.net

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