Mit vollen Akkus ins Löwen-Abenteuer

von Redaktion

Kauczinski neuer 1860-Trainer

Als am Donnerstag feststand, dass Markus Kauczinski neuer 1860-Trainer wird, quollen die Fanforen gefühlt über. Zwölf lange Tage seit der Entlassung von Patrick Glöckner hatten ein Ende – und zwischen Erleichterung und Anerkennung schwang hier und dort auch Enttäuschung mit. Kauczinskis größter Makel war schnell ausgemacht: Er ist nicht die Wiedergeburt von Max Merkel, nicht mal die von Werner Lorant. Auch Michael Köllner hätten einige Fans gerne zurückgenommen, andere wiederum Peter Pacult. Jetzt ist es Kauczinski geworden – und das Fehlen des berühmten Stallgeruchs kann durchaus auch Vorteile haben.

Kauczinski tritt sein 1860-Abenteuer unvorbelastet an – und vieles spricht dafür, dass er sich diesen Schritt gut überlegt hat. Er kennt sich aus in der 3. Liga, hat mit dem Karlsruher SC, Ingolstadt, Kultclub St. Pauli, Dynamo Dresden und Wehen Wiesbaden schon viele unterschiedliche Vereine erlebt. Ein schriller Altmeister mit Hang zum Chaos war bislang nicht dabei, doch 1860 ist für jeden Trainer eine Erfahrung. Also sagte Kauczinski zu, als zu Wochenbeginn das Angebot aus München eintraf.

Von dem Profil, das Präsident Gernot Mang früh skizziert hatte, bringt Kauczinski so einiges mit: Erfahrung in der 3. Liga und höher, die Persönlichkeit eines gestandenen Fußballlehrers – gleichzeitig aber auch die Gabe, Talente zu fördern wie einst in Karlsruhe (u. a. Hakan Calhanoglu und Lars Stindl). Für seine herausragende Nachwuchsarbeit wurde der 55-Jährige aus Gelsenkirchen-Ückendorf 2015 vom DFB mit dem deutschen Trainerpreis ausgezeichnet. Aber auch handfeste Erfolge hat er vorzuweisen: den Aufstieg mit dem KSC, der beinahe zum Durchmarsch wurde (Relegation kann grausam sein), und einen weiteren mit Wiesbaden.

Alle Fans zufriedenzustellen, ist ein Ding der Unmöglichkeit. Am Ende kann 1860 froh sein, überhaupt einen Trainer mit Renommee gefunden zu haben. Nicht ohne Grund war die Absagenliste lang und prominent besetzt. Für Kauczinski spricht, dass er sich zutraut, mit Sechzig etwas aufzubauen – sein Vertrag ist bis 2027 datiert. Nach längerer Auszeit (seit April 2024) dürften seine Akkus aufgeladen sein. Er wird sie ebenso brauchen wie stabile Nerven. Warum, kann er bei vielen Ex-Löwen in Erfahrung bringen – von Köllner bis zu Pacult.

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