„Unser Fußball wird leiden“

von Redaktion

Berater Wittmann über Transfer-Wahnsinn und seinen nächsten Bayern-Star

Roger Wittmann in Hoffenheim. © Anspach/dpa

Luis Diaz wechselte im Sommer von Liverpool zum FC Bayern. © Hirnschal/Imago

Er ist dort, wo Spitzenfußball gespielt wird. Und vor wenigen Tagen war er in München: Roger Wittmann. Auf Einladung von Sky-Moderator Florian Plettenberg war die Spielerberater-Größe (betreut unter anderem Marcel Sabitzer, Eric Maxim Choupo-Moting, Joelinton und Roberto Firmino) zu Gast beim „Wiesn Legends Lunch“ in der Käfer Wiesn-Schänke. Am Rande der Einkleidung bei Trachten Angermaier sprach Roger Wittmann über die aktuellen Trends auf dem Transfermarkt.

Herr Wittmann, welcher Transfer hat Sie im vergangenen Sommer am meisten überrascht?

Raus aus der Bundesliga? Florian Wirtz zum FC Liverpool. Das konnte man nicht zwingend erwarten, dass er dorthin wechselt. Das finde ich eine mutige Entscheidung von ihm, in die Premier League zu gehen. In die Bundesliga rein: Luis Diaz. Das ist auch ein Top-Transfer. Das macht die Offensive des FC Bayern noch viel stärker. Ekitike nach Liverpool ist auch ein Top-Transfer. Aber die beiden Erstgenannten sind dann doch noch mal ein anderes Kaliber.

Die Bundesliga-Stars zieht es meist in die englische Premier League. Abseits vom Geld: Was sind die Gründe?

Der englische Fußball ist etwas ganz anderes. Dort wird Fußball noch viel mehr gelebt als bei uns. Ich glaube, dass das ein großer Grund ist. Die Stadien sind unglaublich, die Fans auch – egal, wo du hingehst, ob Liverpool oder Newcastle. Das ist alles Religion dort. Das ist bei uns weniger. Ich glaube, dass der Fußball bei uns durch den Abgang der Top-Top-Top-Spieler leiden wird. Über kurz oder lang können wir nicht die Top-Spieler verlieren. Das macht den Fußball schon deutlich schwächer.

Wird es für die Bayern künftig noch schwerer, Top-Transfers zu landen?

Ich glaube, dass die Bayern immer ein Club sind, wo tolle Spieler hinwollen. Aber die Frage ist, ob man bezahlen kann, was andere bezahlen können und die das leichter bezahlen. Das hier ist schwer verdientes Geld. Das ist schon ein bisschen anders.

Vor wenigen Jahren haben Sie Marcel Sabitzer oder auch Eric Maxim Choupo-Moting zum FC Bayern transferiert. Wann bringen Sie den nächsten Spieler zum deutschen Rekordmeister?

Der muss gut genug sein. Wir arbeiten viel mit jungen Spielern. Es ist wirklich nicht einfach, dass man sich in ganz jungen Jahren beim FC Bayern durchsetzt. Aber wir probieren das schon. Ich hoffe, dass das relativ schnell wieder geht.

Warum zieht es Joao Felix oder Kingsley Coman, die beide mittlerweile für Al-Nassr auflaufen, in relativ jungen Jahren schon nach Saudi-Arabien? Liegt es nur an der Kohle?

Es ist eine Mär, dass man das Geld immer verteufelt. Jeder arbeitet für Geld. Es geht immer wieder ums Geld. Wieso sollte man das hier verleugnen? Die Spieler bekommen Angebote, die machen diese Liga dort gut. 50 Topspieler der besten 100 spielen dort mittlerweile. Das ist eine anerkannte Liga, die auch konkurrenzfähig ist. Ich würde niemanden verteufeln, der dorthin geht. Ich glaube auch, dass das nicht das Ende ist. Ich glaube, dass es zur Weltmeisterschaft 2034 hin immer mehr wird.

INTERVIEW: V. TSCHIRPKE

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