München – Am Sonntag ab 9 Uhr also gilt‘s. Für die, die sich auf die Königsstrecke des Laufsports, die 42,195 Kilometer vorbereitet haben – und auch für die, die die Veranstaltung, den München Marathon, erstmals organisieren. Es gab ein langes Verfahren zwischen anfangs drei Interessenten, zum Zug kam letztlich die frisch gegründete Laufstatt Event GmbH. Sie muss nun ihrem forschen PR-Slang vom ganz besonderen „urbanen Erlebnis“ die Taten folgen lassen: ein Laufwochenende, das gute Kritiken erhält, wie das über 25 Jahre unter dem vorherigen Organisator Gernot Weigl der Fall war. Wenigstens konnten die neuen Macher um ihren Geschäftsführer Fabian Schäfer das Szenario abwenden, dass die Lauf-Community nach Monaten der gerichtlichen Auseinandersetzungen München am zweiten Oktober-Sonntag links liegen lässt. 6500 Anmeldungen sind für den Marathon eingegangen, 13500 für die halbe Strecke, mit dem Restprogramm kommt man auf 27500 Starter – das ist nicht weit entfernt von der alten Rekordzahl. „Aus dem Stand ein Mega-Teilnehmerfeld“, freut sich Schäfer.
Die Strecke hat sich nicht gravierend, aber in Teilen verändert: Statt Start und Ziel auf dem Hans-Jochen-Vogel-Platz wird am Spiridon-Louis-Ring losgelaufen und vor dem Olympiaturm angekommen – eine kleine Anpassung innerhalb des Olympiaparks. Ansonsten: Es geht anfangs mal in die Fußgängerzone hinein und später durchs Werksviertel. Aber weiterhin sind die alten Abschnitte in Schwabing, im Englischen Garten, im Münchner Osten und am Marienplatz vertreten. Worin der Marathon 2025 aber sicher eine Nummer kleiner sein wird als der der Vorjahre, ist bei der Ausgestaltung des Elitefelds. Athleten mit Zielzeiten unter 2:10 Stunden wird es nicht geben, Gabriel Lautenschlager aus Bamberg bringt unter den Männern mit 2:16 die beste Vorleistung mit.
Zwar laufen auch zwei deutsche Marathonstars mit – aber in einer kleineren Rolle. Sebastian Hendel, 2022 und 23 in München bester Deutscher in einem internationalen Feld, hat für den Halbmarathon gemeldet. Vor drei Wochen stieg er in Berlin bei km 30 wegen der Hitze aus („Sogar drei der vier Pacer sind zur Hälfte schon weggewesen“). „Ich habe dieses Jahr aber noch für Valencia gemeldet“, sagt er. Das ist Anfang Dezember. In München strebt er über die 21,1 km eine Zeit von 62 Minuten an. Wenn man hochrechnet: Es könnte zum gemeinsamen Zieleinlauf mit seiner Ehefrau Kristina (Bestzeit 2:27 Stunden) kommen, die eineinhalb Stunden (Start 9 Uhr) vor ihm auf die Marathondistanz geht. „Ich hoffe, sie kommt vor mir an“, sagt er. Begleitet wird Kristina Hendel von Johannes Motschmann, dem 11. des Berlin-Marathon. „Er wird bis 40 Kilometer mitlaufen“, so Rennleiterin Laura Bauer. Es ist ein echter Freundschaftsdienst. Hendel: „Johannes ist unser Trauzeuge.“
Hauptrivale von Sebastian Hendel im Halbmarathon sollte Niklas Buchholz sein, der aber vorausschickt: „Meine Form ist nicht perfekt. Mein Saisonhöhepunkt war die WM in Tokio vor drei Wochen.“ Der 27-Jährige stand in Japan im Finale über 3000 Meter Hindernis.
Die Frauen-Konkurrenz bekommt jedenfalls etwas mehr Aufmerksamkeit. Kristina Hendel gegen Nina Voelckel, die heuer in Hannover und in ihrer Heimatstadt Kassel gewann und beim Hauptsponsor des München Marathon, dem Sportausrüster Brooks, unter Vertrag steht – klassische Duell-Situation.GÜNTER KLEIN