Darf aufatmen: Bundestrainer Julian Nagelsmann. © Weis/IMAGO
Toller Freistoßtreffer: David Raum. © Britsch/IMAGO
Der Fanwunsch wurde erhört. © Frank/IMAGO
DFB-Kapitän Kimmich (M.) traf doppelt, Woltemade (li.), Pavlovic (hinten) und Goretzka (re.) jubelten mit. © Steinsiek/IMAGO
Sinsheim – „Wir müssen hoch gewinnen.“ Nein, diesen Satz hatte Bundestrainer Julian Nagelsmann zu seiner Mannschaft nicht gesagt. Aus grundsätzlichen Erwägungen: „Es wäre wenig respektvoll vor dem Gegner – und der eigenen Motivationslage nicht zuträglich.“ Doch der Auftrag, der sich aus der Tabellensituation ergab, musste nicht ausgesprochen werden, die deutsche Nationalmannschaft erfüllte ihn einfach. Am dritten Spieltag der WM-Qualifikation landete sie gegen Luxemburg einen 4:0 (2:0)-Sieg. Am Montag und nun mit erfreulicher Tordifferenz geht es in Belfast bei den Nordiren weiter. Diese schlugen am Freitag die Slowakei 2:0, wodurch Deutschland die Tabellenführung in der Gruppe übernahm.
Schon früh an diesem Abend in Sinsheim bekam die deutsche Mannschaft die Gewissheit vermittelt, dass sie sich um diese drei Punkte nicht würde sorgen müssen. Aktivster Mann beim Gegner war der Trainer, Jeff Strasser, der sich in seiner Coaching-Zone aufarbeitete – die Luxemburger Spieler jedoch wurden so weit zurückgedrängt, dass die deutsche Hälfte des Spielfeldes fast eine halbe Stunde lang für sie „terra incognita“ blieb.
Will man einen Moment in der Partie festlegen, ab dem eine Überraschung auszuschließen war, dann war es die 19. bis 21. Minute. Es dauerte halt ein wenig, bis der Video-Schiedsrichter sich meldete und die Szene mit Serge Gnabry und Dirk Carlson nachbetrachtet wurde. Dann stand fest, dass der Luxemburger den Ball im Strafraum-Zweikampf mit dem Oberarm berührt hatte – und das bestrafte der serbische Schiedsrichter Nenad Minakovic doppelt: Strafstoß – den verwandelte Kapitän Joshua Kimmich. Plus Rote Karte für Carlson – letzter Mann, klare Chance verhindert. Eine regelkonforme Entscheidung, aber halt hart, weil sie eh schon hoffnungslos unterlegene Mannschaft traf.
Bereits in der 4. Minute hatte der nicht nur wegen seines Stirnbands auffällige Serge Gnabry ins Tor getroffen. Weil der Ball auf dem Weg ins Netz aber an Nick Woltemades Hand gesprungen war, wurde der Treffer vom VAR einkassiert. In der 12. Minute versenkte der Leipziger David Raum einen Freistoß zum 1:0 im Luxemburger Tor. Mit Raum als Torschützen passte dann auch die deutsche Jubelmusik vom völlig schwerelos dahinschwebenden Raum-Schiff ganz gut.
Doch die Party-Stimmung, die nach dem schnellen 2:0 herrschte, verflüchtigte sich vorerst. Ein ewiges Kuriosum des Fußballs: Der, der einen Spieler mehr hat, verliert seine Leichtigkeit, und der, der nichts mehr zu verlieren hat, gewinnt an Sicherheit. Die Deutschen spielten Luxemburgs Torhüter Anthony Moris warm (er meisterte Schüsse von Goretzka (31.) und Kimmich (45.+2), die Abwehrkette des Außenseiters verdichtete sich, und DFB-Stürmer Nick Woltemade, der auf sein erstes Länderspieltor gehofft hatte, kam nicht richtig zum Abschluss. Seine Schultern hingen wie früher die von Mesut Özil. In der 61. Minute war für ihn zwangsläufig Schluss.
Im zweiten Durchgang blieb die DFB-Elf im Vorwärtsgang. Wichtig war es, nicht nur durch Standardsituationen zu Treffern zu kommen, sondern aus dem Spiel heraus. Das gelang in der 48. Minute, als Serge Gnabry auf der rechten Seite durchrauschte und zum 3:0 einwuchtete. Dem 4:0 (50.) ging wieder eine Ecke voraus, der Ball flipperte durch den luxemburgischen Fünfmeterraum, Kimmich drückte ihn über die Linie, sein zweites Tor. Die Spielfreude war wieder da. Und man freute sich über ein „zu null“.GÜNTER KLEIN