Das Gefühl, mithalten zu können

von Redaktion

Powerplay und Penaltys: Münchner Steigerung trotz Niederlage

Treffen von Spitzenkräften: Mannheims Stürmer Alexander Ehl, Münchens Verteidiger Ville Pokka. © Red Bull/City-Press

München – Ein Spitzenspiel war es genau genommen nicht zwischen den Adlern Mannheim und dem EHC Red Bull München. Denn es trafen aufeinander: der Tabellenführer der Deutschen Eishockey Liga (DEL) und der bis dato Zehnte. Es gewann schließlich auch das Team, das eh schon oben stand, mit 4:3 nach Penaltyschießen, dennoch tat dem Unterlegenen diese Sonntagnachmittagspartie gut. Denn die Münchner hatten anschließend das Gefühl, mithalten zu können. „Wir können es mit jedem Gegner aufnehmen“, meinte Stürmer Brady Ferguson, der das 3:3 erzielt und den EHC in die Verlängerung gebracht hatte.

Was die Münchner zuversichtlich stimmte: Das Spiel hatte Playoff-Atmosphäre – wie das eben so ist, wenn langjährige Rivalen und vorjährige Viertelfinal-Kontrahenten aufeinander treffen. Und dieses Ambiente vor gut 11000 Zuschauern in Mannheim beflügelte die Beteiligten und zeigte dem EHC, dass er bei entsprechendem Anlass zulegen kann. Vor allem im Powerplay, einem wichtigen Bestandteil. Trainer Oliver David war stolz, dass seine Mannschaft drei der vier Überzahl-Möglichkeiten mit einem Treffer beendete. Erfolgsquote 75 Prozent. Das war außergewöhnlich, denn: „Bisher hatte Mannheim nur ein Unterzahl-Tor in der Liga und eines in der Pre-Season kassiert. Also zwei über zwei Monate“, so David.

Nach Überzahl-Toren hätte der EHC 3:1 gewonnen in Mannheim, bei Fünf gegen fünf jedoch 0:2 verloren, denn da zeigte er altbekannte Schwächen, ließ Umschaltsituationen des Gegners zu. Trotzdem: „Wir nehmen viel Positives mit“, so der Coach. Nämlich auch dies: Das Penaltyschießen war gar nicht schlecht. Es ging über acht Durchgänge, und für den EHC trafen Chris DeSousa, Gabriel Fontaine und Patrick Hager. Der Kapitän, der vor einigen Jahren mit Penaltyschießen eigentlich abgeschlossen hatte, wurde von Oliver David sogar um ein zweites Mal gebeten – da scheiterte er aber. Die große Show fand auf der Gegenseite statt, und sie schmerzte die Münchner, weil Justin Schütz, der Star des Spiels, bei Red Bull ausgebildet worden war, vor zweieinhalb Jahren aber nach Köln gewechselt und in diesem Sommer der spektakulärste Transfer der Liga (weiter nach Mannheim) gewesen war. Schütz reichte fast an die legendäre Show des amerikanischen NHL-Stars T.J. Oshie bei den Olympischen Winterspielen 2014 gegen Russland heran. Oshie versenkte vier Penaltys, bei Schütz waren es drei von vier. Er staunte über sich selbst: „Bisher ist mir da nie mehr als einer gelungen.“

Die Schütz-Performance war überragend, er rettete die Mannheimer, die erst einmal gepatzt hatten (zu Hause gegen Frankfurt). „Diesmal waren wir nicht exzellent, sondern nur gut“, meinte Adler-Trainer Dallas Eakins. Ein wenig hatte das auch mit den Münchnern zu tun.GÜNTER KLEIN

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