DTB kämpft für Team Israel

von Redaktion

WM-Ausschluss „ohne Grundlage“ – Schreiben an Verband

Startet er oder nicht? Olympiasieger Dolgopyat. © IMAGO

Frankfurt – Der Anlass zum Pressetermin, zu dem der Deutsche Turner-Bund (DTB) am Montagmorgen zum Start in die Woche geladen hatte, war eigentlich ein schöner. Aber bevor die sieben Turnerinnen und Turner zu Wort kommen durften, die die deutschen Farben ab dem Wochenende bei der Einzel-WM in Jakarta (Indonesien) vertreten sollen, musste ein Zeichen gesetzt werden. Das Statement, das der DTB mit Blick auf die Entscheidung abgab, israelischen Athletinnen und Athleten keine Visa zu erteilen, ließ keine zwei Meinungen zu. Tenor: „Keine Grundlage.“ Die Israel Gymnastics Federation habe folglich ein Teilnahmerecht.

Eine klare Haltung, die in einem gemeinsamen Schreiben mit den österreichischen und Schweizer Kollegen auch dem Weltturnverband FIG mitgeteilt wird. Da „kein Beschluss durch die FIG diesbezüglich vorliegt“, sei der Beschluss der indonesischen Regierung nicht rechtens. Begründet worden war der Schritt mit dem Gaza-Krieg. „Die indonesische Regierung verfolgt eine fest verankerte Politik, keine Kontakte zu Israel zu unterhalten, solange dieses Land die Existenz eines freien und souveränen Palästinas nicht anerkennt“, erklärte der Minister für Rechtsangelegenheiten und Menschenrechte, Yusril Ihza Mahendra, vergangene Woche. Seitdem hält die Debatte die Turn-Szene in Atem.

Bisher sieht es so aus, als stütze die FIG die Entscheidung – obwohl die eigenen Statuten vorsehen, dass allen Athleten und Offiziellen der Mitgliedsverbände Einreisevisa gewährt werden müssen, andernfalls würde die Vergabe der Veranstaltung annulliert. Auch der DTB verwies in seinem Statement auf den „Grundsatz der Autonomie des Sports, welche den Einfluss von Regierungen auf den Sport verhindern soll“. Der israelische Verband hat sich an den Internationalen Sportgerichtshof CAS gewendet. Seine Forderung: Visa – oder Verlegung der in fünf Tagen startenden Titelkämpfe.

So geschehen war es übrigens im Vorfeld der U20-WM im Fußball vor zwei Jahren. Weil Indonesien sich gegen die Teilnahme Israels ausgesprochen hatte, verlegte die FIFA die WM nach Argentinien. So kurzfristig allerdings verlief es damals nicht: Der neue Gastgeber hatte einen Monat Zeit für die Vorbereitung.

Unmittelbar betroffen ist der Titelverteidiger am Boden bei den Männern, Artem Dolgopyat. Der 28-Jährige hatte in Tokio 2021 Olympia-Gold geholt, in Paris vor einem Jahr gewann er Silber. Bleibt der Ausschluss bestehen, fehlt er diesmal.

Die deutsche Delegation macht sich an diesem Dienstag auf nach Jakarta. Noch ist es eine Reise ins Ungewisse. H. RAIF

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