ZUM TAGE

Ein Hoch auf die Kleinen!

von Redaktion

Fußballzwerge träumen von WM

Man muss einfach diese kitschigen Geschichten lieben. Wenn ein krasser Außenseiter sich in die Herzen der Fans spielt, entgegen aller Erwartungen die Größten in deren Sportart ärgert, zeigt sich der Sport von seiner romantischen Seite. So zu sehen zuletzt im Tennis, als die Nummer 204 der Welt, Valentin Vacherot, das Shanghai Masters gewann – und das ausgerechnet gegen seinen Cousin Arthur Rinderknech. Sport-Kitsch in Perfektion.

Im Fußball erinnern wir uns gerne zurück an die märchenhafte Story von Leicester City, das 2016 sensationell englischer Meister wurde. Die mächtigen Platzhirsche wie Arsenal, Machester City, Liverpool, Tottenham oder Chelsea – alle schauten sie in die Röhre, und wir Zuschauer fanden‘s super! Auch die Reise der marokkanischen Nationalmannschaft bei der Fußball-WM 2022 blieb als eine der wenigen sportlichen Geschichten in Erinnerung. Bis ins Halbfinale kämpfte sich das Team um Achraf Hakimi vor und unterlag dort den Franzosen.

Bei der gerade laufenden WM-Qualifikation dürfen noch einige ganz kleine Nationen hoffen, die Hauptrolle der nächsten Cinderella-Story einnehmen zu dürfen. Die Kapverden (eine Inselgruppe westlich von Afrika mit 427 000 Einwohnern) können ihren Flug zur Mammut-WM schon buchen. Neukaledonien (Recherchen haben ergeben, dass sich die 270 000 Einwohner starke Insel östlich von Australien liegt) hat sich bereits für die Playoff-Runde qualifiziert. Auch die Karibik-Insel Curacao (150 000 Einwohner) darf von einer WM-Reise träumen. Deutlich unrealistischer, aber deswegen mit dem meisten Potenzial, die Fußball-Herzen höher schlagen zu lassen, ist der Traum der Färöer. Mit 54 000 Einwohnern wären sie das kleinste Land der WM-Geschichte und würden Island (330 000) ablösen. Dazu benötigt es mindestens ein Remis gegen Kroatien.

Wohin man schaut, Märchen überall – sie sind dank der aufgestockten Fußball-WM fast schon inflationär geworden. 48 Teams greifen ab dem 11. Juni 2026 nach dem Pokal, 32 reichen der FIFA nicht mehr. Somit werden nun 104 Spiele ausgetragen, 40 mehr als zuvor. Davon werden allerdings wohl viele so uninteressant sein, wie die erste Begegnung der Bayern bei der Club-WM gegen Auckland City (10:0). Der sportliche Mehrwert hält sich durch die vielen Kleinen vermutlich in Grenzen. Und trotzdem werden Sportfans weiterhin stets ein Herz für Außenseiter haben.

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