Kreativer Notstand

von Redaktion

Bayern-Baskets vorerst ohne Regisseur Jovic – der Blick geht nach Übersee

Schmerz lass nach: Drei Minuten vor Schluss der Partie gegen Bamberg wurde Jovic (2.v.re.) vom Feld geführt. Am Tag danach folgte zumindest leichte Entwarnung. © IMAGO

München – Am Morgen danach ging der Daumen von Bayerns Teamarzt Basti Torka zumindest vorsichtig nach oben. War wohl doch nicht ganz so schlimm, wie er ausgesehen hatte, der Unfall von Stefan Jovic gegen Ende des Südderbys des FC Bayern Basketball gegen Bamberg. Der serbische Regisseur war bei einem Block heftig umgeknickt und konnte nur mit tatkräftigen Helfern das Spielfeld verlassen.

Doch: Die Bänder im Sprunggelenk des Routiniers waren heil geblieben. Nur die Gelenkkapsel hatte Schaden genommen. Bei normalem Verlauf dürfte Jovic also im Verlauf des Novembers wieder eingreifen. Allerdings: Den im Vorfeld wegen der vielen Heimspiele schon zu einer Art Schlüsselmonat erklärten Oktober müssen die Bayern aller Voraussicht ohne den Mann absolvieren, auf dessen Klasse und Erfahrung doch viele der Münchner Hoffnungen basieren, dass man vielleicht auch in diesem Jahr ein Wort im Rennen um die Euroleague-Playoffs mitsprechen könnte. „Es ist natürlich alles andere als einfach, wenn ein Spieler ausfällt, auf den viel aufgebaut ist“, sagte Kapitän Vladimir Lucic.

Für den Spielgestalter-Part bleiben nun Europameister Justus Hollatz und Neuzugang Kamar Baldwin. Auch der vielseitige Xavier Rathan-Mayes hatte in Abwesenheit der EM-Teilnehmer größere Teile der Vorbereitung als Ballverteiler bestritten. Doch das ist nicht das kreative Pfund, das Jovic oder gar der mit lädiertem Knie nach München umgezogene Rokas Jokubaitis darstellt. Ob es ohne dominanten Regisseur geht, wird man schon an diesem Dienstag (20.30 Uhr) sehen können, wenn als nächster Prüfstein Mailand um Ex-Bayer Devin Booker im SAP Garden vorbeischaut. Zwei Tage später (19.45 Uhr) muss man ausgerechnet bei Titelverteidiger Fenerbahce Istanbul ran. „Ein heftiges Programm“, wie Lucic findet.

Aber nach der neuesten Entwicklung werden die Bayern-Macher um Dragan Tarlac ihre noch angedachten personellen Schachzüge noch einmal überdenken. Und damit ist nicht nur Center-Veteran Tibor Pleiß gemeint, der sich weiter im Bayern-Kosmos bewegt. Tarlac hatte ja angekündigt, man werde vor allem die NBA-Cuts genau in Augenschein nehmen. Das ist jene Phase, in der die Clubs in Übersee ihre Kader auf das maximal erlaubte Maß von 15 + 3 verkleinern müssen. 15 permanente Profis und drei Akteure, die auch fürs Farmteam spielberechtigt sind. Diese Kaderverkleinerung findet ja üblicherweise in der Woche vor dem Saisonstart statt. Will heißen: Schon in den nächsten Tagen ist Bewegung in Nordamerika zu erwarten.

Zu Saisonbeginn hatten Tarlac und Trainer Gordon Herbert ja eher gehofft, hier noch Entlastung für die schon leicht angejährten Forwards Lucic und Niels Giffey zu finden. Doch abhängig von der tatsächlichen Schwere von Jovics Verletzung dürfte es zumindest eine Überlegung sein, noch einen Aufbauspieler unter Vertrag zu nehmen. RP

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