TV-KRITIK

Kurzhals-Giraffe und die Nordirren

von Redaktion

Der Fußballabend bei RTL

Die Nationalelf hat das „g“ als Lieblingsbuchstaben auserkoren. G wie Ge-heimfavorit 2026. Beim Triumph letztens gegen Luxemburg will die Mannschaft „griffig, gallig und gierig“ agiert haben. Davon inspiriert, haben wir gestern gegen Nordirland beim RTL genau hingeschaut. War die Übertragung geistreich und gewitzt – oder gähnenswert?

– Das Gedöns: Weil es gottlob gute Nachrichten aus Nahost gibt, mussten sich Florian König und Lothar Matthäus vor dem Spiel kurzfassen. Das ist schwierig, denn ein kurzgefasster Lothar ist wie eine Kurzhals-Giraffe, also wider die Natur. Insofern ließ sich nicht übertrieben viel Information unterbringen. Aber immerhin hatte 1,94-Meter-Moderator König eine hübsche Stichelei gegen 1,74-Meter-Experte Matthäus parat: „Klein, aber fein, gute Stimmung.“ Es kann aber auch sein, dass er damit das Stadion in Belfast gemeint hat. Außerdem haben wir sehr gehofft, dass Lothar „Palästinenser“ sagt, wurden aber enttäuscht.

– Der Gedankenjongleur: Für Lothar werden die Zeiten eh härter, denn bald steigt Thomas Müller ins Erklärgeschäft ein. Und gegen den Eloquenz-Kanadier zu analysieren, ist so, als würde man gegen Taylor Swift um die Wette singen, ist aber nur Cindy von Cindy und Bert. Lothar fand’s gut, dass der Bundesjulian die Aufstellung gegenüber Nordluxemburg nicht geändert hat: „Jeder Spieler muss wissen, wo er dran ist.“ Außerdem wusste er über die Nordiren: „Die wollen ein Fußballspiel sehen.“ Das macht Sinn – denn wenn sie Feldhockey sehen wollen, wären sie zum Feldhockey gegangen. Wir haben bei ihm immer „Nordirren“ verstanden, aber da haben wir uns bestimmt verhört.

– Der Gesprächige: Wie auf jedem anderen Sender im deutschen Fernsehen kommentiert Wolff Fuss jetzt auch beim RTL. Er war ergriffen von den „kernigen“ Nordiren: „Es ist das hohe Lied auf den intensiven Zweikampf.“ Bei schwachen deutschen Aktionen wurde er aber auch schnell bissig. Motto: „Bell fast.“ Beim Abseitstor der Nordir(r)en warf Lothar gedankenschnell ein knappes „Ab…“ ein, auf Englisch: „Sis was offside.“ Fuss freute sich über Woltes „Rücken-Schulter-Tor“ und erklärte das Spiel sinnvoll. Er war der David-Raum-Deuter. Wir haben den Geh-Punkt erreicht. Gehaben Sie sich wohl!

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