WM-Schub dank Woltemade

von Redaktion

DFB zittert in Belfast und erkämpft sich ein wichtiges 1:0

Woltemade – bejubelt von Pavlovic und Tah. © Imago

Der Ball im Netz, Nordirland staunt: Nick Woltemade traf mit der Schulter für Deutschland. © Charisius/DPA

Belfast – Ein ums andere Mal lagen deutsche Spieler in gekrümmter Haltung auf dem Rasen und hielten sich die Schienbeine. Das WM-Qualifikationsspiel in Nordirland war eine Schmerzerfahrung – doch mit dem passenden Ergebnis, einem 1:0 (1:0)-Sieg dank Nick Woltemades erstem Länderspieltor. Allerdings: Deutschland leidet und bolzt sich mehr zur WM im kommenden Jahr, als dass es sich nach Amerika spielen würde. Und auch die Slowakei (2:0 gegen Luxemburg) bleibt im Rennen.

Nico Schlotterbecks Augen hatten am Tag zuvor in Erwartung eines Stimmungserlebnisses wie in Dortmund, nur verdichtet auf ein sehr viel kompakteres Stadion, geleuchtet. Der Windsor Park von Belfast erfüllte die Erwartungen: Er war dröhnend laut, Nordirlands Teammanager Michael O’Neill wurde mit einer stehenden Ovation begrüßt, es war sein 100. Länderspiel in dieser Rolle. Seit zwei Jahren hatte er von den zuhause ausgetragenen keines mehr verloren.

Also schon nicht leicht für die Gast-Mannschaften, konzentriert ihr Spiel aufzuziehen. Die DFB-Elf versuchte, den Ball laufen zu lassen, doch jedes Mal, wenn ein Nordire seinem Gegenspieler ihn vom Fuß nahm, brandete Jubel auf, als wäre ein Tor gefallen. Das Publikum goutierte mit Häme, dass das deutsche Einfordern eines Strafstoßes, nachdem Leon Goretzka im Sechzehner zu Fall gekommen war, vom spanischen Schiedsrichter Gil Manzano abgewiesen wurde (6.). Großes Hallo, als Florian Wirtz verzog (19.) – er ist hier der bekannteste deutsche Star.

Nordirlands Angriffsbemühungen waren überschaubar, aber gefährlich. O’Neills Team gilt als Standardspezialist, und ein weiter Freistoß leitete die Szene ein, an deren Ende der Ball hinter Oliver Baumann einschlug (14.). Allerdings: In der Entstehung war’s ein Abseits (Paddy McNair), somit war Jamie Reids Vollendung ungültig; weiter 0:0.

Julian Nagelsmanns Elf tat sich schwer, zu knackigen Torchancen zu kommen. Entweder missglückte ein letzter Pass wie von Kimmich auf Tah (40.), oder die Nordiren warfen sich dazwischen. Aber der Bundestrainer hatte im Vorfeld die Wichtigkeit von Standards im modernen Fußball betont („33 Prozent der Tore entstehen daraus“), und in der 31. Minute funktionierte eine Ecke nach klassischem Muster. David Raum trat sie hoch, Nick Woltemade, der Längste auf dem Platz, nutzte seine Lufthoheit – auch wenn es nicht per Kopf war, sondern mit der Schulter. Den VAR-Check bestand die Szene, 1:0 für Deutschland.

Nach zwei Minuten des zweiten Durchgangs vergab Karim Adeyemi bei einem Konter die Chance aufs zweite Tor. Nordirland agierte danach einer Heimmannschaft entsprechend, erspielte sich Abschlüsse wie den von Shea Charles, den Oliver Baumann abwehrte (62.). Die Innenverteidiger Tah und Schlotterbeck waren beschäftigt, die hohen Bälle aus dem Strafraum zu köpfen. Die Deutschen bemühten sich, das Geschehen wieder fernzuhalten von ihrem Tor, was nicht so leicht war, weil die Nordiren sich in jeden Zweikampf stürzten. Man spürte die Anspannung, in der Deutschland das Spiel über die Zeit brachte, wofür es noch Andrich und Anton einwechselte – eine richtige Abwehrschlacht. Große Erleichterung, als ein Schuss von Galbraith knapp am Tor vorbeiflog und Baumann einen von Marshall hielt.GÜNTER KLEIN

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