Baustelle Barça

von Redaktion

Barcelona – Robert Lewandowski hat längst eingeschlagen in Spanien, 105 Treffer in 156 Einsätzen sprechen für sich – aber auch drei Jahre nach seinem Wechsel vom FC Bayern zum FC Barcelona ist der Deal finanziell noch nicht ganz abgewickelt. Laut dem neuesten Wirtschaftsbericht des katalanischen Clubs stehen beim Transfer des polnischen Superstars noch rund 20 Millionen Euro aus, die der amtierende spanische Meister an die Münchner überweisen muss (unsere Zeitung berichtete).

Aber: Von „Schulden“ im alltäglichen Sprachgebrauch kann hier nicht die Rede sein. Die ausstehenden Summen wurden von den klammen Katalanen nämlich nicht einfach nicht gezahlt, sondern es handelt sich hierbei um vertraglich vereinbarte Ratenzahlungen, die im Fußballgeschäft längst üblich sind. Solche Tilgungen werden bei großen Transfers meist über mehrere Jahre verteilt, um die Bilanzen zu entlasten. Insgesamt zahlt Barça die rund 45 Millionen Euro Ablöse also in etwa zehn Millionen pro Jahr – ein gängiger Rhythmus bei Operationen dieser Größenordnung.

Barça hat derzeit gleich mehrere solcher Verpflichtungen offen: Insgesamt 159,1 Millionen Euro schuldet der Club laut seinem Finanzbericht noch diversen Vereinen. Ganz vorne dabei: Leeds United (41,9 Millionen für Raphinha), der FC Sevilla (24,5 Millionen für Jules Koundé), Manchester City (13,3 Millionen für Ferrán Torres) und eben der FC Bayern mit 20 Millionen für Lewandowski. Selbst kleinere Beträge – etwa an Real Betis oder den französischen Club Stade Rennais – stehen noch aus.

Dass diese Zahlungen nicht sofort fällig sind, ist Usus. Rund 140 Millionen Euro dieser Summe fallen laut Barça kurzfristig an, die restlichen 18,5 Millionen erst langfristig. Umgekehrt stehen den Blaugrana selbst noch 64 Millionen Euro von anderen Vereinen zu – zum Beispiel vom FC Porto für Nico González oder Al Ahli aus Saudi-Arabien für Franck Kessié. Der internationale Transfermarkt gleicht also eher einem komplexen Kreditnetz als einem einfachen Kauf von der Stange.

Finanziell scheint der FC Barcelona derweil endlich wieder Boden unter den Füßen zu haben. Nach Jahren der Krise und astronomischer Brutto-Verbindlichkeiten in Höhe von über einer Milliarde Euro (siehe Infobox), meldete man im Camp Nou zuletzt zum zweiten Mal in Folge ein positives Betriebsergebnis: 994 Millionen Euro Umsatz, zwei Millionen Gewinn. Die Netto-Schulden wurden deutlich reduziert, der Gehaltsetat liegt mit 54 Prozent ebenfalls im grünen UEFA-Bereich.

Mit dem geplanten Umzug zurück ins neue Spotify Camp Nou und Rekordeinnahmen aus Sponsoring und Merchandising (allein Nike bringt 259 Millionen Euro jährlich) sieht sich der Club auch in Zukunft wieder auf stabilem Kurs. Und das Geld für Lewy fließt natürlich auch – ganz wie geplant – weiter…JOSÉ CARLOS MENZEL LÓPEZ

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