Defensiv-Spezialist: Niko Kovac. © Blatterspiel/Imago
Führt er die Bayern zum nächsten Sieg? Bislang läuft es für das Team von Vincent Kompany hervorragend. © Imago
Harry Kane (re.) will auch gegen den BVB treffen. © MIS, /Imago
München – Zehn Spiele, zehn Siege – und dabei noch insgesamt 38 Tore erzielt. Die Bayern spielen in dieser Saison ihre Gegner regelmäßig schwindelig. Dieses Schicksal soll auch Borussia Dortmund im Bundesliga-Gipfel am Samstag (18.30 Uhr, Sky) in der Allianz Arena ereilen. Mit einem einfachen, aber effektiven Plan.
Ein von Trainer Vincent Kompany angedachtes Mittel, um die unter Trainer Niko Kovac tiefstehenden Dortmunder zu knacken: sogenannter One-Touch-Fußball in und um den gegnerischen Sechzehner. Mit nur einer Berührung soll der BVB die Bayern-Angreifer nicht zu fassen bekommen. Eine Taktik, mit der der deutsche Rekordmeister defensiv eingestellte Teams in dieser Saison schon häufig auseinandergenommen hat.
Auch Superstürmer Harry Kane kommt diese von Kompany implementierte Spielweise zugute. „Eine Sache, die bei ihm besonders auffällt, ist das One-Touch-Spiel rund um den Strafraum“, verriet der Engländer nun der britischen Zeitung „Daily Mail“. „Wenn man in einer Mannschaft wie Bayern spielt, trifft man auf Teams mit Abwehrreihen, die tief verteidigen. Ich bin jemand, der gerne den Ball dreht und Vorwärtspässe spielt, aber das ist nicht immer möglich. Deshalb haben wir viel darüber gesprochen, meinen Körper zu öffnen und schnell mit One-Touch-Pässen um die Ecke zu spielen. Ich habe das Gefühl, dass ich mein Spiel verbessert habe – ich bleibe nicht mehr so oft am Ball hängen und bin fließender in meinen Aktionen geworden.“
In dieser Saison hat Kane wettbewerbsübergreifend bereits 18 Tore erzielt. Auch aus Sicht von Kovac ist der 32-Jährige der Unterschiedsspieler des FC Bayern. „Natürlich, er schießt die Tore. Er bereitet aber auch Treffer vor“, sagte der Kroate, der den Rekordmeister zwischen Juli 2018 und November 2019 gecoacht und zum Double-Sieg geführt hat.
Seit vergangenem Februar trainiert Kovac Dortmund. Nach einem holprigen Start mit vier Niederlagen in den ersten sechs Spielen drehte der 54-Jährige das Blatt. Er führte den Verein in die Champions League. Vor allem defensiv hat Kovac die Dortmunder wieder in die Spur geführt.
„Das ist eine Qualität, die unter Niko Kovac dazugekommen ist: Sie sind viel stabiler, auch defensiv. Dafür bekommen gar nicht so die Wertschätzung“, meinte Bayerns Mittelfeldchef Joshua Kimmich. „Mit Blick auf die Punkte, die sie zum Ende der vergangenen und zum Beginn dieser Saison gesammelt haben, fliegen sie ein bisschen unter dem Radar.“
Seit Kovacs Amtsantritt beim BVB ergibt sich ein klares Bild: Bayern und Dortmund sind die überragenden Teams dieser Phase. Die Münchner führen in der „Kovac-Tabelle“ mit 49 Punkten aus 20 Spielen, der BVB folgt mit 42. Saisonübergreifend sind die Dortmunder seit 14 Ligapartien ungeschlagen, die Bayern haben 15 Mal hintereinander nicht mehr verloren. Vier Punkte trennen die Tabellenführer aus München aktuell vom BVB in der Bundesliga.
„Bei solchen Spielen kommt es nicht nur auf die Form an“, meinte Kompany vor dem Duell am Samstag. „Es fühlt sich wie ein Derby an. Es ist ein Klassiker. Emotionen spielen eine größere Rolle als bei anderen Spielen.“ Zumindest tabellarisch hat Kovac Dortmund wieder zum Bayern-Jäger Nummer eins gemacht. Einfangen will sich das Kompany-Team natürlich nicht lassen. Der Plan: ein Kontakt, drei Punkte.P. KESSLER, V. TSCHIRPKE