„Gerecht ist es nicht“

von Redaktion

Doping-Fall Wulff: Lochner nachträglich Zweier-Weltcupsieger – zufrieden ist er nicht

Doch die Besten: Hansi Lochner darf sich zumindest über die Saisonwertung im Zweier freuen. © IMAGO

Königssee – Nach dem Spruch des Bob-Weltverbandes IBSF war Hansi Lochner um eine Kristallkugel reicher. Wie ein Sieger fühlte sich das Bob-Ass vom Königssee aber irgendwie nicht. „Im Bob-Zirkus sorgt der Fall für Kopfschütteln“, sagte Lochner im Gespräch mit unserer Zeitung.

Worum geht es? Simon Wulff, Anschieber von Lochner-Rivale Francesco Friedrich, wurde bei einem Dopingtest aus dem vergangenen Dezember in Altenberg auffällig. Wulff wurde zwar gesperrt. Doch: Eine Disqualifikation des gesamten Teams sehen die IBSF-Statuten nur für den Wettkampf vor, bei dem die positive Probe entnommen wurde. Und das ist für Rivale Lochner insofern ärgerlich als Wulff nach dem Auftritt in Altenberg auch noch in Sigulda und Winterberg eingesetzt worden war – bei letzterem im Vierer.

Wären alle Ergebnisse mit Wulffs Beteiligung gestrichen worden, dann wäre auch die Kristallkugel für den großen Schlitten in Lochners Besitz übergegangen. „Fälle dieser Art werden in anderen Sportarten anders und vor allem gerechter gehandhabt“, wetterte der 35-Jährige, „das sollten sie auch bei uns“. Dass ihm zumindest die Kugel für den Zweier zuflog, hatte Lochner „aus den Medien“ erfahren. Ein offizielles Schreiben des Verbandes gibt es bislang nicht. Ist für ihn aber auch zweitrangig: „Ich schaue lieber nach vorne als zurück. Doch es ist gut, dass endlich Gerechtigkeit herrscht.“ Bundestrainer Rene Spies sah die Sache naturgemäß distanzierter: „Sowohl für uns als auch für Franz ist es nichts Überraschendes und auch die richtige Entscheidung, es so zu machen“, sagte er.

Der frühere Leichtathlet Wulff war Anfang September für insgesamt 21 Monate gesperrt worden, weil in seiner Probe aus Altenberg die Substanz Methylhexanamin entdeckt worden war. Die ist im Training zwar erlaubt, im Wettkampf aber verboten. Der Bann gilt bis zum 7. September 2026.

Wulffs Pilot Francesco Friedrich nahm es pragmatisch. „Wir konnten nicht beweisen, wo es drin war, und so ist es nun. Er muss jetzt dafür büßen, hat seine Strafe bekommen und sitzt sie ab.“ Der Bob-Dominator will die verlorene Kugel nun schnellstmöglich einpacken und in einem persönlichen Canossa-Gang bei Lochner am Königssee vorbeibringen, wie er mit gequältem Lächeln erklärte.. „So, wie es sich gehört.“

Immerhin: Seine letzte Saison im Weltcup-Geschehen geht Lochner zwar nicht als doppelter Champion, aber zumindest im Zweier als Titelverteidiger an. Nach den Olympischen Spielen im Februar wird er bekanntlich seine Karriere beenden. „Wir wollen auf dem Weg dorthin alles richtig machen, heißt: voll angreifen“, sagte er. Der Erzrivale wird ihm trotz der aktuellen Ereignisse nicht unbedingt eine goldene Abschiedstournee bescheren wollen. „So sicher, wie er sich irgendwie ist und das überall präsentiert, wird es nicht sein“, sagte Friedrich und kündigte an, er wolle „alles entgegensetzen, damit es die letzte goldene Kristallkugel war, die er bekommen hat. Ganz einfach.“

Umso mehr werden beide sicherlich versuchen, gleich zum Saisonauftakt ein möglichst starkes Zeichen zu setzen. Der nämlich steht vom 17. bis zum 23. November ausgerechnet in Cortina d`Ampezzo an. Genau auf der Bahn also,. auf der im Februar dann auch die olympischen Medaillen vergeben werden. HANNA RAIF, SID

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