Laura Dahlmeier wurde nur 31 Jahre alt.
Andreas Dahlmeier wollte seine Tochter zu sich holen.
Am Laila Peak verunglückte Dahlmeier. Mehrere Rettungs- und Bergungsversuche blieben ohne Erfolg. © Imago (2), Thomas Sehr
Garmisch-Partenkirchen – Andreas Dahlmeier will am Unglücksort Abschied von seiner Tochter Laura nehmen. Er will den Ort, an dem es passiert ist, mit eigenen Augen sehen, erzählt Dahlmeier dem „Spiegel“. Am 28. Juli verunglückte die ehemalige Weltklasse-Biathletin beim Bergsteigen am Laila Peak in Pakistan. Sie wurde 31 Jahre alt.
Ganz Sport-Deutschland stand still am 30. Juli, als Laura Dahlmeiers Management die Nachricht von ihrem Tod verbreitete. Anders reagierte Papa Andreas, nachdem Lauras Bergsteiger-Kollegin Marina Krauss zwei Tage zuvor den Notruf abgesetzt hatte. Er schaltete sofort in den Krisenmodus: Selbst ist er ein erfahrener Bergsteiger, hat als langjähriger Bereitschaftsleiter der Bergwacht Garmisch-Partenkirchen geglückte Rettungen erlebt – aber auch den Schmerz, wenn jede Hilfe zu spät kam.
Bei Lauras Unfall hätte es wohl keine Rolle gespielt, wie schnell Helfer bei ihr gewesen wären. Krauss beschrieb einst, dass Dahlmeier beim Abseilen von einem Gesteinsbrocken am Kopf getroffen wurde und danach reglos im Seil hing. Ihr Helm sei zertrümmert worden und sie hätte eine schwere Kopfverletzung.
Andreas bildete nach Krauss‘ Notruf in der Bergwachtzentrale Partenkirchen schnell einen Krisenstab aus erfahrenen Bergrettern und Kameraden. Auch Bergsteig-Profi Thomas Huber gehörte zu dem Team, er bewegte sich zu dem Zeitpunkt nicht weit von Dahlmeiers Unfall-Ort und hatte bereits von dem Unfall erfahren.
Andreas wusste aus Erfahrung, dass eine Bergung mit Helikopter und Seilwinde kaum möglich ist, die Maschinen würden an ihre Grenzen stoßen – Laura liegt etwa 300 Meter unter dem Gipfel auf 5700 Metern. Die größte Chance, Dahlmeier zu bergen, besteht, wenn ein Rettungstrupp auf den Laila Peak aufsteigt.
Huber setzte sofort alle Hebel in Bewegung und organisierte einen Helikopter. „Ich hoffte, dass Laura noch lebt. Ich ging davon aus, dass wir eine Chance haben, sie zu retten“, sagt Huber dem „Spiegel“. Doch der Hubschrauber konnte erst am nächsten Morgen fliegen, „da war mir klar, dass die Nacht für sie in der Wand hart werden würde. Ich dachte nur: Laura, halte durch.“
Am nächsten Morgen umrundete Huber mit seinem Bergkameraden Tad McCrea den Berg und fand Dahlmeier, erkannte aber „keine vitalen Reaktionen“. „Zu sehen und das alles zu erfassen, dass Laura nicht mehr absteigen konnte, machte mich sprachlos, ich war betäubt und versuchte, nur noch zu funktionieren“, beschreibt Huber seine Gefühle. Anschließend kontaktierte er im Basislager Andreas Dahlmeier – und dann „haben wir beide geweint“.
Obwohl Laura eine Verfügung erstellt hatte, die besagt, dass ihr Leichnam bei einer zu riskanten Bergung auf dem Berg verbleiben soll, startete ihre Familie im September eine erneute Bergungsmission. Huber kehrte noch einmal an den Laila Peak zurück. Er habe „alles abgesucht“, das sei „heikel und nicht ohne Risiko“ gewesen, doch er konnte Laura nicht finden. Huber gehe davon aus, sie liegt begraben von Gesteinsmassen in einer Gletscherspalte.
„Wir hätten Laura gern nach Hause gebracht. Aber es war nicht möglich, sie zu holen. Somit bleibt Laura am Berg zurück“, sagte Vater Andreas. In ihrer Heimat wurde schon im August eine Gedenkstätte errichtet – und auch am Unfallort gibt es nun eine für Laura Dahlmeier. Huber beschrieb Lauras letzte Ruhestätte mit den Worten: „Es ist ein wunderschöner Ort.“ALEXANDER VORMSTEIN