Aufstieg! Pentke jubelt 2017 in der Allian Arena. © sampics
Szenen für die Ewigkeit: Pentke schmeißt eine Sitzschale aus seinem Sechzehner, die Löwenfans hinter seinem Tor sorgen beinahe für einen Spielabbruch. © sampics
München/Köln – Den 30. Mai 2017 wird kein Löwenfan je vergessen. Abstieg aus der Zweiten Bundesliga nach dem Relegationsdrama gegen Jahn Regensburg– inklusive schlimmer Ausschreitungen in der Allianz Arena. Damals im Tor vor den eskalierenden Fans: Gäste-Keeper Philipp Pentke. Der heute 40-Jährige spielte bis Sommer dieses Jahres beim 1. FC Köln. Für die tz blickt Pentke auf das Duell seiner Ex-Clubs Regensburg und 1860 (Sonntag, 16.30 Uhr, MagentaSport) – und erinnert sich an den historischen Sommerabend 2017.
Herr Pentke, seit Sommer sind Sie vereinslos. Wo treffen wir Sie an?
Ich bin nach wie vor in Köln und arbeite natürlich parallel an meinem Plan B, über den ich allerdings noch nicht sprechen darf. Es ist nicht so, dass ich meine Karriere beendet habe. Natürlich schreckt es viele Menschen ab, einen 40-jährigen Torhüter zu verpflichten. Allerdings fühlt sich mein Körper an wie bei einem 30-Jährigen. Ich halte mich zu Hause fit. Am Ende braucht ein Torhüter ja eigentlich auch nur eine Wand, gegen die er 500-mal schießt (lacht).
Blicken wir in den Süden der Republik. Am Sonntag treffen Ihre beiden Ex-Vereine 1860 und Regensburg aufeinander…
Natürlich verfolge ich meine Ex-Vereine noch, habe zuletzt die Löwen gegen Energie Cottbus gesehen, ein cooles Spiel. Bei Regensburg habe ich zu einigen Jungs auch noch Kontakt. Wenn es die Zeit hergibt, schaue ich mir die Spiele an, auch wenn ich nicht jedes Abo freigeschaltet habe, da braucht man ja mittlerweile zehn Stück von (lacht).
Kein Abo brauchen Sie für die neue Löwen-Doku in der ARD-Mediathek, in der Sie auch vorkommen. Wie blicken Sie heute auf diesen Abend in der Allianz Arena zurück, auf die Ausschreitungen der Löwenfans in der Arena?
Heutzutage würde so ein Spiel vermutlich gar nicht mehr zu Ende gespielt werden. Nach dem 1:1 im Hinspiel bei uns hat sich 1860 schon wie der Sieger gefühlt. Das hat uns angespornt. Ich kannte noch sehr viele Leute bei den Löwen, deshalb war es für mich noch mal besonderer. Wir wussten auch, dass es unruhig wird auf den Rängen, falls das Spiel in unsere Richtung kippt. Dass es solche Ausmaße nimmt, war krass. Ich habe mir die Szenen noch häufiger angesehen. Im Nachhinein bin ich sehr froh. Hätte mich eine Sitzschale im Nacken getroffen, weiß ich nicht, wie das ausgegangen wäre. Meine Aufgabe war irgendwann gar nicht mehr, auf das Spiel zu achten, sondern die Gegenstände aus meinem Strafraum zu entfernen. Hinter mir standen hunderte Polizisten und Ordner, gefühlt schon auf dem Platz. Ich habe mich zwar extrem über den Aufstieg gefreut. Auf der anderen Seite habe ich bei 1860 in so viele weinende Gesichter geschaut, für die hat es mir enorm leidgetan.
Wie lief denn die Kommunikation mit Schiedsrichter Daniel Siebert genau ab? Es lagen Stangen und Sitze in Ihrem Sechzehner…
Das Spiel war 15 Minuten lang unterbrochen. Irgendwann standen die Spieler mit dem Polizeichef zusammen. Daniel Bierofka hat versucht, die Fans zu beruhigen, das hat nicht so gut funktioniert. Der Schiedsrichter hatte mich gefragt, ob ich mit der Situation klarkomme, das habe ich bejaht. Ich habe immer gehört, wenn etwas reinfliegt und konnte reagieren. Gleichzeitig musste ich das Spiel im Blick behalten. Ich habe noch nie in meinem Leben so viele Sprints über fünf Meter gemacht und die Gegenstände zurückgeworfen. Ich weiß nicht, was hätte passieren müssen, dass das Spiel abgebrochen wird – vermutlich ein Platzsturm. Im Nachgang bin ich bei den Bildern brutal erschrocken.
Am Sonntag wird es hoffentlich ruhiger, dennoch liegt erneut viel Druck auf dem Kessel…
Es wird sehr emotional, ein besonderes Spiel. Ich muss aber ehrlich sagen, dass ich 1860 als Favoriten sehe. Regensburg steckt in einer Krise, da müssen wir nicht drum herumreden. Ich hoffe auf ein schönes 2:2-Unentschieden.
IV.: MARCO BLANCO UCLES