Heute wird Bernd Neuendorf in eine zweite Amtszeit als DFB-Präsident gewählt. Die war mit der Bindendebatte bei der WM in Katar ungewollt krachend gestartet und ist seitdem weitgehend geräuschlos fortgesetzt worden. Leider mitunter auch zu geräuschlos, etwa, was die Folgsamkeit auf dem Fifa-Pfad Richtung Weltmeisterschaft 2034 in Saudi-Arabien angeht.
All diejenigen, die an der in Form und Inhalt unerträglich unwürdigen virtuellen Fifa-Klatschparade bei der Zustimmung zur Ausrichtung der WM für jenes Regime teilgenommen haben, das den gewaltsamen Tod und die Zerstückelung des Journalisten Jamal Khashoggi im saudischen Konsulat in Istanbul mitzuverantworten hat, sollten sich schämen.
Neuendorf, Sozialdemokrat, 64, ist ein Pragmatiker, sachlich, emphatisch, zugewandt im Umgang. Selbstherrlichkeit in einer Form, wie sie Fifa-Boss Infantino im persönlichen Auftreten und auf seinen Social-Media-Profilen verbreitet, ist seine Sache nicht.
Dass der Weltverbandsboss in unangemessenem autokratischem Gebaren bestimmt, wo es langgeht, akzeptiert der Deutsche in Demut. Widerstand gegen die Fußballstaatsgewalt oder gar eine energische Form der Aufmüpfigkeit sind ihm fremd.
Mit der Deutschen Fußball-Liga und dessen ungleich breitbeiniger daherkommenden Boss Hans-Joachim Watzke hat sich Neuendorf zum beiderseitigen Vorteil arrangiert. Dazu gehört die Anstellung des seinerzeit sowohl für DFL als auch DFB unbequemen vormaligen Kritikers Andreas Rettig. Ein geschickter Schachzug.
Da Neuendorf zu Verlässlichkeit neigt, tat er sich schwer, sich von Bundestrainer Hansi Flick und Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg zu trennen. Die überfälligen Beurlaubungen erfolgten mit reichlich Verspätung.
Den Verband hat er qua Persönlichkeit, Fleiß und Disziplin in ruhige Gewässer geführt. Streitigkeiten vermeidet der Leisetreter tunlichst. Die Aufarbeitung der Vergangenheit überlässt er Staatsanwaltschaften. Das spart Geld und Kraft. Die maroden DFB-Finanzen hat Neuendorf in blühende Landschaften überführt.