Neuer Schatz im Alten Hof: „Mull“ ist stolz auf den Pokal. © FKN (2)
Im Laufschritt zum Patienten: Dr. Müller-Wohlfahrt zu seiner Zeit als Bayern-Arzt. Heute sprintet er nicht mehr übers Feld – aber ist weiter genauso aktiv. © Huebner/Imago
Feiner Zwirn, große Ehre: Müller-Wohlfahrt erhielt die Ehrung von seinem langjährigen Weggefährten Prof. Dr. med. Ulrich Stöckle.
München – Die Hall of Fame, wenn man sie so nennen will, ist in der Praxis von Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt reich bestückt. Da liegen Reckriemen von Fabian Hambüchen und Schuhe von Usain Bolt im Regal, daneben ein Football-Helm und auch noch Box-Handschuhe. Ja, wer rund 50 Jahre als Orthopäde und Sportmediziner aktiv ist, hat eine Menge dankbarer Patienten geheilt – und trotzdem gibt es seit ein paar Tagen in den Räumlichkeiten im Alten Hof etwas, das „Mull“ besonders stolz macht. Es ist ein transparenter Pokal mit einem schwarzen Sockel, die Überschrift auf dem goldenen Schild lautet „DGOU Ehrung 2025“. Und er wurde verliehen für das „Lebenswerk in Orthopädie und Unfallchirurgie“. Ein Ritterschlag mit 83 Jahren.
„Das ist die größte Auszeichnung, die ich kriegen kann“, sagt Müller-Wohlfahrt im Gespräch mit unserer Zeitung. Und es sprudelt regelrecht aus ihm heraus, als er über die Ehrung spricht, die er vergangene Woche auf dem Präsidentenempfang des Deutschen Kongresses für Orthopädie und Unfallchirurgie (DKOU) in Berlin erhalten hat. Im feinen Zwirn stand der langjährige Mannschaftsarzt des FC Bayern sowie des DFB-Teams auf der Bühne und nahm Pokal und Urkunde von Prof. Dr. med. Ulrich Stöckle entgegen. Der Geschäftsführende Direktor des Centrums für Muskuloskeletale Chirurgie an der Charité Berlin ist ein langjähriger Weggefährte Müller-Wohlfahrts – und hatte dem „Doc“ bereits vor ein paar Monaten einen Besuch in der Münchner Praxis abgestattet, um die große Sache anzukündigen.
Schon damals, sagt „Mull“, konnte er nicht glauben, was da Ende Oktober in der Hauptstadt passieren solle. „Überrascht und sehr gerührt“ hat er reagiert, denn er hat seine eigene Vorgeschichte freilich im Kopf. „Jahrzehntelang haben die Kollegen gestichelt, gesagt, meine Medizin sei nicht ernstzunehmen. Man wollte mir sogar die Zulassung entziehen“, sagt Müller-Wohlfahrt. Dass er nun, mit über 80 Jahren, derart wertgeschätzt werde, bedeutet ihm viel: „Die Dankbarkeit ist da wie noch nie in meinem Leben. Ich genieße es wie noch nie“, sagt er, und fügt an, was offensichtlich ist: „Ich kann nicht aufhören.“
Warum auch – wenn man gebraucht und geschätzt wird wie nie zuvor? 9000 Ärzte waren auf dem größten europäischen Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie, „aber geehrt wurde nur ein Mann“. Derjenige, der nach wie vor jeden Tag mehr als zwölf Stunden behandelt; derjenige, den die Top-Sportler konsultieren; derjenige, der auch große Freude daran hat, ganz normale Patienten schmerzfrei zu kriegen. Müller-Wohlfahrt sagt, er werde von Tag zu Tag besser, denn: „Erfahrung ist wichtig. Und der Schatz wird immer größer.“ Er lebt vom „Gefühl, gebraucht zu werden. Das schafft Energie.“
Die Energie braucht er in seinem Leben, denn auch wenn er nicht mehr mit dem FC Bayern unterwegs ist, reist er weiter um die Welt. Regelmäßig fliegt Müller-Wohlfahrt etwa in die USA, um dort namhafte Patienten zu sehen. Ob ihn das anstrengt? „Ganz ehrlich: nein!“ Er liebt sein „aufregendes, faszinierendes Leben“. Und hat noch lange nicht fertig. Olympia-Jahre sind besonders stressig. „Mull“ freut sich auf 2026.HANNA RAIF