Power aus München: Joshua Kimmich (Mi.) trägt das Bayern-Gen in sich – zur Freude des Bundestrainers (re). © IMAGO/STEINSIEK
Wolfsburg – Das fünfköpfige Star-Ensemble des FC Bayern war im DFB-Dienstgewand heiß begehrt: Kapitän Joshua Kimmich, Abwehrchef Jonathan Tah, Angreifer Serge Gnabry und das Mittelfeld-Duo Aleksandar Pavlovic und Leon Goretzka schrieben bei der öffentlichen Einheit fleißig Autogramme und standen geduldig für Selfies zur Verfügung.
Die Münchner Fraktion spielt dieser Tage nicht nur bei den Fans eine große Rolle, sondern auch bei Julian Nagelsmann. Denn der Bundestrainer erhofft sich für die anstehenden Länderspiele am Freitag gegen Luxemburg (20.45 Uhr, RTL) und drei Tage später in Leipzig gegen die Slowakei (20.45 Uhr, ZDF) einen Bayern-Boom. Kein Wunder: Kimmich & Co. begeistern mit ihrer derzeitigen Spielweise im Verein die gesamte Fußball-Welt. Nicht umsonst geriet Nagelsmann ins Schwärmen, als er an den Auftritt des deutschen Rekordmeisters in Paris dachte: „Da kann man nur ein Kompliment machen. Das war schon beeindruckend. Das dürfen sie bei uns gerne in dieser Intensität gerne weitermachen!“
Aber kann der Bundestrainer seine Vereinsüberflieger wirklich als bayerisches Benzin für den stotternden DFB-Motor nutzen? „ Ich habe schon mal gesagt, dass wir eine Super-Abhängigkeit vom Verein haben. Es bringt uns nix, eine gute Fantasie zu haben und Spieler einzuladen, die auf dem absteigenden Ast sind – oder deren Clubs“, erklärte der Nationalcoach und sagte über seinen Bayern-Block: „Es tut uns sehr gut, dass sie sehr stabil sind, gut verteidigen und einen guten Geist haben.“
Nagelsmann beeindruckt am Spiel von Bayern-Trainer Vincent Kompany eine taktische Komponente ganz besonders: „Dass sie sich gerade übers Verteidigen sehr viel definieren und übers Verteidigen sehr viele Chancen kreieren. Diesen Geist brauchen wir bei uns auch.“ Beim FC Bayern kämpft aktuell jeder für jeden – und ist sich auch nicht zu schade, den einen oder andren Extra-Meter für die Kollegen zu machen. Diese Einstellung wünscht sich der Nationalcoach für die anstehenden WM-Qualifikationsspiele.
Was ihm im Hinblick auf seine Mannschaft Mut macht: Die Bayern treiben ihre Gegner nicht nur mit dominanten Ballbesitzfußball in den Wahnsinn. „Die schießen superviele Tore aus One-Touch-Aktionen: Es sind ja nicht immer super Kombinationen, sondern oft Ballgewinne, die sie dann mit Ein-Kontakt-Spiel in die rote Zone und mit viel Kreativität und oft einem genialen Moment zum Abschluss bringen“, analysiert der 38-Jährige das erfolgreiche Spiel unter Kompany.
Gerade in der Vorwärtsbewegung war ihm seine Mannschaft in den beiden Oktober-Länderspielen zu harmlos. Zwar stehe „das gemeinschaftliche Verteidigen“ weiterhin im Fokus, aber offensiv sei man zuletzt nicht gefährlich genug gewesen: „Wir wollen über den eigenen Ballbesitz wieder mehr in eine offensive Gefahr kommen: Wir sind im Spiel gegen tief stehende Gegner ein bisschen zu träge gewesen in der roten Zone, zu viele Kontakte, zu viel Sicht nach Kontrolle.“
Aber wie sollen die Nationalspieler den Offensiv-Befehl des Bundestrainers in der Praxis ausführen? „Mehr Leinen los, mehr Risiko!“ Darum hat Nagelsmann in Leroy Sané und Said El Mala zwei Offensiv-Individualisten nominiert. Übrigens: Beim FC Bayern wartet ein weiterer hoch veranlagter Angreifer, der den Unterschied machen kann: Lennart Karl. M. BONKE. P. KESSLER