Die Rodler als Spitzel

von Redaktion

Dem deutschen Bob-Team taugt die Olympiabahn in Cortina – Tipp für Gold: „Schnell starten, sauber fahren“

Cortina/München – Ganz bei null mussten die deutschen Bobfahrer nicht starten, als sie am Donnerstag in Cortina d’Ampezzo ankamen. Denn wer im eigenen Lager Erfahrungswerte sammeln kann, macht sich diese in einer Olympia-Saison freilich zunutze. Gleich zwei Bobtrainer hatte Chefcoach Rene Spies also in den Wochen davor abgestellt, als die Rodler um Felix Loch und Max Langenhan bereits ihre ersten Tests auf jener Bahn absolvierten, auf der zwischen 6. und 22. Februar olympische Medaillen vergeben werden. Verbotene Spitzel? Keineswegs! Man hält beim BSD zusammen, um an die großen Erfolge von Peking 2022 anzuknüpfen.

15 Medaillen waren es damals, ein Traum! Und dafür, dass es in weniger als 100 Tagen wieder ähnlich viele werden, schuftet das Bob-Team von Spies dieser Tage hart. In der Theorie wussten alle, was sie auf der in Rekordzeit für rund 120 Millionen Euro neu errichteten Olympia-Eisbahn „Eugenio Monti“ erwartet – und das erste Fazit nach 72 eigenen Fahrten lautet aus dem Mund von Johannes Lochner: „Die Bahn macht richtig viel Spaß. Das taugt mir sehr.“ Noch sind der Berchtesgadener und sein Widersacher Francesco Friedrich dabei, sich den 1730 Meter langen Eiskanal Schritt für Schritt zu erarbeiten. Am Wochenende, beim Weltcup-Auftakt, wartet aber schon der erste Ernstfall. Bis dahin sollte die Ideallinie gefunden sein – und bis Februar abgespeichert werden.

Spies nennt die aktuelle Phase „die schönste in den vier Jahren eines Olympiazyklus‘“. Neue Kurse bedeuten neue Herausforderungen – und worauf es in Cortina ankommen wird, lässt sich jetzt schon prognostizieren. Vor allem BSD-Boss Thomas Schwab weiß, wo die Tücken der Bahn liegen, die er – wie schon 2018 in Pyeongchang und 2022 in Peking – als Mitglied der Bobbahn-Kommission des Weltverbandes mit entworfen hat. Steiler Anschub, schwere Kurve vier, ansonsten, sagt Lochner, „liegt man voll im Trend der letzten Jahre, die Bahnen nicht so schwer, sondern sicher zu bauen“. Der ultimative Tipp: „Schnell starten, sauber fahren.“ Trotzdem hofft der Gesamtweltcupsieger der Vorsaison, dass „nicht nur Start und Material entscheiden“.

Friedrich vergleicht vor allem den Anschub mit jenem, auf dem er seinen Bob in Peking vor bald vier Jahren zu Gold katapultiert hat. Recht gibt ihm der sogenannte „Datencoach“, der von Technologiepartner BMW unter anderem am Rodel von Loch „mitgefahren“ ist. Die Aufzeichnungen bestätigen die Ähnlichkeit zum Kurs in China, ein gutes Omen für den BSD. Anders als vor vier Jahren allerdings dürfen diesmal Zuschauer dabei sein. Und genau da liegt noch ein klitzekleines Problem.

Wenn Loch vom „großen Wimmelbild“ erzählt, das er in Cortina tagtäglich beobachten konnte, ist das Gelächter laut. Auch Weltmeister Max Langenhan berichtet: „Der Herrenstart war auf der Baustelle schwer zu finden.“ Lärm. Staub und Baumaterial gehören zum Alltag in Cortina noch dazu, das aktuelle Highlight: Ein Umkleideraum, zu dem die Treppe (noch) fehlt.

All das zu beheben, ist die nächste Herausforderung für die Organisatoren. Immerhin: die Rahmenbedingungen stimmen. Laut Rodel-Chef Patric Leitner war es „das erste Mal, dass sich kein Athlet über das Essen beschwert hat“. Loch bestätigt: „Pizza, Wein, Kaffee – alles ist angerichtet.“ Auch da haben die Rodel-Spitzel schon vorab geliefert.HANNA RAIF

Artikel 7 von 11