Wird er erneut zum Helden? Aubstadts Lukas Wenzel parierte im März 2022 drei Elfmeter der pomadigen Löwen. © IMAGO
München – Aubstadt – der Name des unterfränkischen 729-Seelen-Dorfs weckt bei 1860-Fans unangenehme Erinnerungen. März 2022: Sechs Tage nach der obligatorischen Klatsche in Mannheim (0:3) wartet im Totopokal-Halbfinale eine vermeintlich kleine Hürde – der TSV Aubstadt, damals Tabellensiebter der Regionalliga. Die Köllner-Löwen belegen diesen Platz eine Liga höher – und fliegen dennoch raus. Tallig, Lex und Bär scheitern am Elfmeterpunkt, damit ist die Blamage perfekt. Mit Ach und Krach ziehen die Giesinger trotzdem in den DFB-Pokal ein: durch ein wildes 6:3 gegen Dortmund II am letzten Spieltag.
Das kleine Ziel wurde 2022 noch erreicht – und diesmal? In der Tabelle belegen die Löwen Platz 14, speziell auswärts sind die Löwen ein dankbarer Gegner: fünf Niederlagen in Folge. So wird‘s nichts mehr mit dem erträumten Aufstieg. Auch Platz vier, der in den DFB-Pokal führt, ist schon acht Punkte entfernt. In der Liga droht der Abstiegskampf – deshalb wird Aubstadt plötzlich zum Schlüsselspiel. Wieder Totopokal, diesmal das Viertelfinale. Am Mittwoch ab 18.30 Uhr kommt es zum Revival bei der „Macht im Grabfeld“ (Aubstadt-PR). Die Form der Unterfranken ist stabil: Nur eines der letzten sieben Spiele ging verloren (1:3 gegen Bayern II). Ganz anders die Löwen: 1:2 in Rostock, 0:2 in Aue, 0:1 in Wiesbaden, 1:3 in Mannheim, 0:4 in Regensburg – auswärts sind die Löwen harmlos wie Schmusekatzen. Ein Problem, das auch den Trainerwechsel von Patrick Glöckner zu Markus Kauczinski überdauert hat.
Letzte Ausfahrt Aubstadt also? Kauczinski wirkt jedenfalls entschlossen, Auftritte wie beim 0:4 in Regensburg nicht zu akzeptieren. Er werde „nicht zur Tagesordnung“ übergehen, knurrte der 1860-Coach am Sonntag. Stattdessen sucht er Spieler, die bereit sind, für den Verein durchs Feuer zu gehen. „Ich habe solche Situationen schon erlebt, ich weiß, wie ich damit umgehe – mit aller Gewalt, mit Einfordern, mit Trial and Error. Das heißt: Es wird sich was verändern!“ Personell sicher – vor allem aber bei der Einstellung. Kauczinski mit Lorant‘scher Strenge: „Wir müssen klar sagen, dass man so nicht auftreten darf. Arbeit ist immer die Basis – die haben wir am Sonntag vernachlässigt. Das darf nie sein! Und das werde ich der Mannschaft erzählen.“
2022 hatte Michael Köllner ein B-Team nach Aubstadt geschickt. Der Dorfclub kämpfte die pomadigen Löwen nieder, ging sogar in Führung – und hatte auch am Elfmeterpunkt die straffere Haltung. So weit will es Kauczinski diesmal nicht kommen lassen. Man darf daher gespannt sein, welchen Spielern er zutraut, zumindest das kleine Saisonziel am Leben zu halten. „Am Ende werden wir wieder aufstehen“, sagte er kämpferisch. „Es geht darum, Jungs zu finden, die bereit sind, Dreck zu fressen und in so einem Spiel alles zu geben.“ Gilt auch für den Totopokal, der ja nebenbei die Chance bietet, auswärts Selbstvertrauen zu tanken. In der Liga geht es dieses Jahr noch nach Ulm und Ingolstadt. Spiele mit ähnlichem Derbycharakter wie zuletzt in Regensburg.ULI KELLNER