„Natürlich ist Druck da“

von Redaktion

FCB: Frauen-Trainer José Barcala über das Arsenal-Duell und seinen neuen Job in München

Im vergangenen Jahr gewannen Bayerns Frauen gegen Arsenal – damals noch am Campus. © Wilson/Imago

FCB-Coach José Barcala. © Simka/Imago

Wollen erneut in der Allianz Arena glänzen: Die FCB-Stars Giulia Gwinn & Co. © IMAGO/Merk

München – Die Frauen des FC Bayern treffen heute in der Allianz Arena auf Arsenal (18.45 Uhr). Trainer José Barcala (44), der im Sommer auf Alexander Straus folgte, spricht im Interview über die Herangehensweise gegen die amtierenden Champions-League-Siegerinnen, seine formstarke Mannschaft und den Druck, Bayern-Trainer zu sein.

José Barcala, es ist knapp ein Monat vergangen, seit die Mannschaft 1:7 in Barcelona verloren hat. Seitdem wurden sechs Spiele in Folge gewonnen. Haben Sie mit einer so positiven Reaktion gerechnet?

Nach dem Spiel in Barcelona mussten wir uns fragen, wie es zu dieser Leistung kommen konnte. Wir waren offen und ehrlich und haben die Niederlage sehr gut analysiert, auf einer taktischen, aber auch auf einer emotionalen Ebene. Wir haben unsere Schlussfolgerungen gezogen und uns sofort darauf konzentriert, was wir ändern müssen und wie wir diese Dinge umsetzen können. Allerdings wissen wir auch einzuordnen, was uns in Barcelona passiert ist. Es gibt schließlich kaum eine schwierigere Aufgabe, als auswärts in Barcelona anzutreten. Das soll aber keine Entschuldigung sein, denn wir sind Bayern München. Wir haben aus diesem Spiel gelernt, wir wollen wachsen und besser werden. Denn auf uns warten ähnliche Herausforderungen, vermutlich schon am Mittwoch gegen Arsenal.

Ihre Mannschaft spielt am Mittwoch in der Allianz Arena gegen die amtierenden Champions-League-Siegerinnen. Ist das Spiel eine Chance, zu zeigen, dass sie nicht so weit von Europas Spitze entfernt sind?

Ja. Immer, wenn man auf Top-Gegner trifft, bekommt man eine Rückmeldung, wie nahe man dran oder eben wie weit man weg ist. Jedes Spiel ist anders, für jedes Spiel braucht es einen spezifischen Matchplan. Es gibt immer diese Schlüsselmomente, die ein Spiel in die eine oder andere Richtung lenken können. Wir wollen das Spiel kontrollieren. Wir müssen es uns verdienen, das Spiel zu gewinnen. Um eine außergewöhnliche Mannschaft zu werden, muss man keine außergewöhnlichen Dinge tun. In einem solchen Spiel gibt es auch emotionalen Druck. Wir haben daran gearbeitet, diesem standzuhalten.

Arsenal startete letztes Jahr mit einer 2:5-Niederlage am Bayern-Campus in die Saison und gewann am Ende die Champions League. Kann Arsenal ein Vorbild sein?

Das zeigt, dass es keine Rolle spielt, was zu einem bestimmten Zeitpunkt passiert. Wir dürfen uns nicht ablenken lassen und konzentrieren uns auf unsere eigenen Leistungen. Tag für Tag, Woche für Woche. Wir haben in jedem Spiel die Gelegenheit zu wachsen und aus unseren Niederlagen und schlechten Momenten zu lernen. Solche Spiele sind eine Chance, die Mannschaft weiterzuentwickeln und wachsen zu lassen. Was Arsenal letzte Saison geschafft hat, ist eine Inspiration für alle, die ein solches Ziel erreichen wollen.

Beim FC Bayern geht es immer um Titel. Wie erleben Sie diesen Druck bisher?

Im Verein handeln wir alle sehr fokussiert und gelassen, die Kommunikation und der Alltag sind fantastisch. Alle Posten sind hier von Top-Profis besetzt. Natürlich ist Druck da. Dieser Druck kommt aber von innen heraus, von den Erwartungen, die wir an uns selbst haben – welche Mannschaft wir sein wollen. Wenn wir es nicht hinbekommen, das zu zeigen, setze ich mich selbst unter Druck. Aber auch nach dem Barcelona-Spiel gab es intern keinen Druck auf mich – nur jenen, den ich mir selbst gemacht habe. Ich habe die ersten Monate hier sehr genossen.

Ihre ersten Wochen fielen zeitweise sieben Spielerinnen aus. Haben Sie ähnliches Verletzungspech schon einmal erlebt?

Das ist leider Teil des Fußballs. In anderen Ligen und Vereinen passiert derzeit ähnliches. Wir alle, Vereine und Verbände, müssen gemeinsam überlegen, was wir verändern können, um die Anzahl der Verletzungen zu reduzieren. Wir haben mit Sarah Zadrazil und Lena Oberdorf zwei Spielerinnen verloren, die auf und neben dem Platz sehr wichtig für uns sind. Sie sind Führungspersönlichkeiten, taktisch, als Mitspielerinnen, aber auch emotional. Diese Herausforderung müssen wir in Chancen für andere Spielerinnen umwandeln, die sich nun zeigen, beweisen und entwickeln können.

Sarah Zadrazil und Lena Oberdorf verletzten sich an den Kreuzbändern. Schwere Knieverletzungen kommen im Frauenfußball sehr häufig vor. Was kann man konkret tun, um die Spielerinnen besser zu schützen?

Ich denke, es sind einfach zu viele Spiele. Mittlerweile haben wir fast regelmäßig zwei Spiele pro Woche mit nur zwei Tagen Pause dazwischen. Es bleibt keine Zeit zum Training, die Zeit zur Erholung und Regeneration ist sehr begrenzt. In den Länderspielpausen haben die Nationalspielerinnen nicht frei, sondern zwei weitere Spiele mit hoher Intensität, zudem viele Reisetage. Dann kommen sie zurück und es geht immer weiter. Die Anforderungen im Frauenfußball sind in den letzten Jahren drastisch gestiegen. Neben den höheren körperlichen Anforderungen auch emotional, durch mehr Vermarktung und Medienpräsenz, durch mehr Menschen in den Stadien.

INTERVIEW: CHRISTIAN STÜWE

Artikel 1 von 11