Jule Niemeier war zum Zeitpunkt ihrer Nominierung schon im Urlaub. © Instagram
Will endlich wieder ihr bestes Tennis zeigen: Jule Niemeier. Im Billie Jean King Cup bekommen sie und ihre Kolleginnen es mit der Türkei und mit Belgien zu tun. © Mirville/Imago
Ismaning – Wenn die deutschen Tennis-Frauen ab heute im Billie Jean King Cup gegen den Abstieg kämpfen, ist auch eine dabei, die ihre Saison eigentlich schon beendet hatte: Jule Niemeier. Nach schwierigen Monaten wurde die 26-Jährige für die verletzte Tatjana Maria nachnominiert. Im Interview spricht sie über ihre Rolle im Team, den Heimvorteil in Ismaning und ihre Stoffwechselkrankheit.
Frau Niemeier, eigentlich hatten sie ihre Saison schon beendet. Für die Playoffs des Billie Jean King Cup wurden Sie nachnominiert. Wann haben Sie von Ihrer Berufung erfahren?
Der Anruf von Teamkapitän Rainer Schüttler kam vor ungefähr zwei Wochen, als ich gerade im Urlaub war. Für mich stand nicht zur Debatte, dass ich absage. Ich freue mich sehr, dass ich jetzt wieder eine Woche mit den Mädels und dem ganzen Team verbringen darf.
Wie würden Sie Ihre Rolle im Team beschreiben?
Es ist offensichtlich, dass wir Spielerinnen dabei haben, die eine sehr erfolgreiche Saison hatten. Die haben es sich auf jeden Fall verdient, hier ihre Matches zu bekommen. Ich bin relativ entspannt, was meine Einsätze angeht. Hier im Nationalteam gehöre ich zu den erfahrensten Spielerinnen, war schon bei einigen Turnieren dabei. Ich traue mir durchaus das eine oder andere Match zu – sei es im Einzel oder im Doppel.
Die Türkei und Belgien sind die Gegner. In der Dreiergruppe hält nur der Gruppenerste die Klasse. Die zweit- und drittplatzierten Teams steigen in die Regionalgruppe ab. Wie schätzen Sie die Chancen ein?
Wir haben eine ausgeglichene Gruppe erwischt. Ich erwarte sehr enge Matches, bei denen am Ende Kleinigkeiten entscheiden. Hier ist egal, wer in der Weltrangliste unter den besten 100 steht und wer nicht. Es wird auch darum gehen, wer am besten mit dem Druck umgehen kann. Unser Ziel ist der Gruppensieg.
In Ismaning wurde extra eine temporäre Zuschauertribüne für 1500 Fans aufgebaut. Welchen Einfluss werden die Fans haben?
Vor zwei Jahren hatten wir ein Heimspiel in Stuttgart, das war für uns sehr emotional. Mir macht es immer extrem viel Spaß, vor den eigenen Fans zu spielen. Die Zuschauertribüne hier ist zwar nicht riesig, aber unsere Spiele am Freitag und am Sonntag werden ausverkauft sein. Da kann eine richtig gute Stimmung entstehen.
Für Sie persönlich lief es in den vergangenen Monaten gar nicht gut. In der Weltrangliste sind Sie auf Platz 242 abgerutscht. Was sind die Gründe dafür?
Im Training habe ich meine Leistung immer gebracht, die konnte ich aber leider viel zu selten in die Matches übertragen. Mein Team und ich kennen die Gründe und werden diese intern aufarbeiten. Ich bin überzeugt davon, dass ich bald wieder mein bestes Tennis spielen werden. Es kann nur besser werden.
In Ihrem letzten Instagram-Post haben Sie außerdem eine Stoffwechselstörung öffentlich gemacht? Ist auch das einer der Hauptgründe für die vielen Niederlagen?
Nein, auf keinen Fall. Ich wollte die Krankheit aber trotzdem öffentlich machen, weil sie mich schon seit längerer Zeit begleitet. Ich möchte meine Reichweite nutzen, um zu zeigen, dass es keine Tabuthemen mehr geben darf. Man sollte offen darüber sprechen können, wenn einen etwas belastet – seien es körperliche oder mentale Probleme. Für mich ist das ein Zeichen von Stärke.
INTERVIEW: PAULINE ZAPP