Die drei WM-Kandidaten: Lando Noris, Oscar Piastri und Max Verstappen (v. li.). © Alonso/Imago
Lusail – Im Kampf um die Formel-1-Krone ist bei noch zwei ausstehenden Rennen ohnehin richtig Feuer, doch Titelverteidiger Max Verstappen heizt die Stimmung vor dem Grand Prix am Wochenende in Katar (17 Uhr MEZ, Sky) weiter an. „Wenn wir in der Position gewesen wären mit einem solch dominanten Auto (wie McLaren, d. Red.), wäre die Weltmeisterschaft schon lange entschieden“, sagte der Niederländer in einem Video-Interview, das die Formel 1 veröffentlichte.
Angesprochen auf die von McLaren abgelehnte Teamorder erklärte der 28-Jährige zudem: „Man konnte nicht besser entscheiden, als die beiden fahren zu lassen. Warum sollte man Oscar das verbieten? Wenn mir das jemand gesagt hätte, wäre ich gar nicht erst aufgetaucht. Ich hätte ihm gesagt, er soll sich zum Teufel scheren.“
Eine Teamorder, die Oscar Piastri, der am Freitag die Pole Position für das Sprintrennen geholt hat, für die letzten beiden Rennwochenenden zum Helfer für den WM-Führenden Lando Norris und Verstappen-Blocker gemacht hätte, wurde laut Piastri intern „kurz diskutiert“, aber schnell abgelehnt. Schließlich glaubt der Australier noch an seine eigene WM-Chance: „Es ist nicht unmöglich.“ Auch McLaren-Boss Andrea Stella sagte: „Bei noch zwei ausstehenden Rennen verdienen beide die Chance, um den Titel zu kämpfen.“ Für Verstappen die „perfekte“ Entscheidung. „Wenn man als Fahrer ein echter Gewinner ist, dann gibt man alles – selbst wenn man hinten liegt.“
Der Brite Norris führt die WM derzeit mit 390 Punkten an – 24 Zähler vor Verstappen (366) und dem punktgleichen Piastri. Bei noch maximal 58 zu vergebenen Punkten erscheint die Hoffnung des Niederländers realistischer als die des aktuell schwächelnden Australiers.
Wie entscheidend Teamkollegen im Saisonfinale sein können, hat Verstappen vor vier Jahren selbst erfahren. Sergio Perez hielt 2021 den Mercedes von Lewis Hamilton über mehrere Runden auf. Hamilton fand kein Vorbeikommen, seine Reifen wurden stark ramponiert – am Ende sicherte sich „Mad Max“ den Titel. Verstappen feierte „Checo“ als „Legende“. Ein Unterschied zu heute: Piastri hat (rechnerisch) noch Chancen auf den WM-Titel.
Norris gibt sich trotz der kniffligen Situation betont cool. „Ich weiß, wozu Max in der Lage ist und ich denke, Oscar ist das genauso“, so Norris. Jeder Fahrer wolle zeigen, dass er der Beste sei. „Und ich freue mich, ihnen einen guten Kampf auf der Strecke zu liefern.“ Ursprünglich hätte Norris 42 Punkte Vorsprung gehabt, doch in Las Vegas wurden sowohl sein als auch Piastris Auto wegen zu dünnem Unterboden disqualifiziert.
Ein weiteres Zünglein an der Waage könnte Verstappens Teamkollege Yuki Tsunoda sein. Der Japaner fährt in Katar und Abu Dhabi um sein Cockpit, denn laut Medien soll Red Bull in der kommenden Woche bekannt geben, wer ab 2026 im Red-Bull-Cockpit sitzen wird. In der Pole-Position soll offenbar Isack Hadjar liegen. Sollte Tsunoda jedoch in den letzten Rennen gegen Verstappens Rivalen Checo-ähnliche Verteidigungsleistungen zeigen, könnte sich seine Chance auf ein weiteres Jahr im Team noch erhöhen.KAU, MM