Im Rausch des Erfolgs: Nach dem 29:23 über Frankreich wird in Rotterdam sogar Gold greifbar – es wäre der zweite deutsche Titel nach 1993. © Gambarini/dpa
Rotterdam – Deutschlands Handball-Heldinnen waren außer Rand und Band. Tränenüberströmt hüpfte Antje Döll über das Parkett, die überragende Kapitänin und ihre Mitspielerinnen feierten das „Wunder von Rotterdam“ ausgelassen mit ihren Fans. Feierten, was kaum zu begreifen war. Das deutsche Team ist bei der WM sensationell ins Finale gestürmt.
„Phänomenal. Ich bin voller Emotionen, ich bin so glücklich“, sagte Döll am ARD-Mikrofon. Man sei „füreinander gestorben. Es war von Minute eins bis zur sechzigsten ein absolutes geiles Spiel.“ Und Bundestrainer Markus Gaugisch verbeugte sich: „Hut ab vor den Mädels.“
Deutschland stieß mit einer berauschenden Vorstellung den Titelverteidiger Frankreich im Halbfinale von Rotterdam mit 29:23 (15:12) vom Thron und kann sich am Sonntag selbst zum zweiten Mal nach 1993 zum Weltmeister krönen. Finalgegner ist Olympiasieger Norwegen, das sich mit 35:25 gegen Co-Gastgeber Niederlande durchsetzte.
Die DHB-Auswahl, die mit Silber bei ihrem viel zitierten „Weihnachtsmärchen“ die erste deutsche WM-Medaille seit 2007 nun bereits sicher hat, brillierte mit einer fantastischen Defensivleistung. Die Abwehr um Aimée von Pereira ließ das französische Starensemble regelrecht verzweifeln. Als Döll zehn Minuten vor dem Ende mit ihrem neunten (!) Treffer das 24:19 erzielte, begann auf der Tribüne die große Final-Party. „Ich kann nicht mehr. Es waren 60 Minuten purer Kampf“, sagte Rückraumspielerin Viola Leuchter. Auch Torfrau Katharina Filter war erneut mit etlichen Paraden eine der gefeierten Sieggarantinnen – und sorgte so auch für ein Ende des zwei Jahrzehnte währenden Frankreich-Fluchs.
Durch den Halbfinalerfolg sicherte sich die Mannschaft um die erneut bärenstarke Emily Vogel (5 Tore) übrigens eine Rekordprämie: Silber wird vom Verband mit 300 000 Euro belohnt, bei einem Titelgewinn winkt dem Team ein Betrag von 425 000 Euro.
Wie bei sämtlichen bisherigen WM-Auftritten startete Deutschland auch gegen den Olympiazweiten furios. Filter hielt, vorne traf Kreisläuferin Lisa Antl nach einer guten Viertelstunde zum 10:6. Auch wenn Frankreich binnen weniger Minuten wieder bis auf ein Tor herankam (20.), die DHB-Sieben blieb am Drücker. Auch weil Filter den französischen Ausgleich mit einem gehaltenen Siebenmeter nach exakt 24 Minuten verhinderte. URückraumspielerin Vogel hämmerte den Ball mit 97 Kilometern pro Stunde zum Pausenstand von 15:12 ins Tor.
Diesen Weg ging das deutsche Team im zweiten Durchgang unbeirrt weiter. Hinten parierte Filter die Bälle, vorne riss nun Annika Lott das Spiel an sich. 19:15 hieß es nach 36 Minuten, die Partie wurde nun auch hitziger. Nach einem Kopftreffer gegen Nieke Kühne sah die Französin Onacia Ondono glatt Rot.
Während das deutsche Team im Angriff weiter clever Fouls zog und seine Chancen eifrig nutzte, biss sich Frankreich weiter die Zähne aus. Die Zeit lief für das deutsche Team. Beim 23:18 (48.) wuchs der Vorsprung erstmals auf fünf Tore. Das sollte reichen.SID