Hoch hinaus: Sabrina Cakmakli will zu Olympia nach Cortina und dort ins Finale. © Instagram/Cakmakli
Schnee und Sonne: Was ein Novembertag im „Büro“ eines Skiprofis. © Instagram/Cakmakli
München – Wer Sabrina Cakmakli in die Augen schaut, spürt immer noch die Frische und Freiheit, mit der die Garmischerin vor zwölf Jahren als junges Talent in den Freestyle-Weltcup stürmte. Unbekümmert und fröhlich flog das Ski-Ass durch die Slopestyle-Kurse und Halpfipes und etablierte sich in der Weltspitze – trotz der katastrophalen heimischen Rahmenbedingungen. Denn in Deutschland gibt es kein Team, keinen Trainer – und erst recht keine Halfpipe, auf die sich die einstige Junioren-Weltmeisterin in Folge eines Kreuzbandrisses spezialisiert hat, da die Belastung für die Knie geringer ist.
Cakmakli ist Einzelkämpferin und die letzte ihrer Art. „In der Pipe kommt nichts nach, da gibt‘s niemanden, was echt traurig ist“, sagt die Ski-Akrobatin und liefert die Erklärung hinterher. „Halfpipe-Fahren ist nicht so zugänglich und für die Kids. Ich glaube, wenn sie die Möglichkeit hätten, das öfter auszuprobieren, würden sie vielleicht auf den Geschmack kommen.“
Da eine Präparierung viel Geld verschlingt und an den meisten Standorten auch schlicht die Menge an Schnee fehlt, wird die Disziplin mit Cakmakli (wohl) aussterben – irgendwann. Denn vorerst ist die 31-Jährige noch voller Tatendrang und hat Olympia im Visier. Die Spiele in Cortina d‘Ampezzo und Mailand wären ihre vierte Teilnahme am größten Sport-Event der Welt. Aufgeregt ist Cakmakli aber wie vor ihrem Debüt. „Ich bin jedes Mal wieder nervös und denke mir: ‚Oh Gott, die nationale Quali.‘“
Einmal Top acht oder zweimal Top 15 in den Weltcups sind Voraussetzung. Wer in seinen zwei „Runs“ am spektakulärsten rotiert und dreht – und das mit möglichst viel Style – bekommt die meisten Punkte. Theoretisch gibt es vier Quali-Möglichkeiten (Secret Garden, Copper Mountain, Calgary, Aspen), damit kein Stress aufkommt, würde Cakmakli diese Hürde am liebsten gleich am Wochenende beim Auftakt in China überspringen.
Die Qualität dafür spürt sie weiter in sich, auch wenn die Konkurrenz vor allem aus Asien und den USA immer größer wird. „Die Chinesen trainieren jeden Tag in der Indoor-Halfpipe. Die haben so krasse Möglichkeiten und das macht es so wahnsinnig schwierig, mitzuhalten“, sagt Cakmakli, die im Herbst ihrer Karriere noch einmal alles auf links drehte und sich einem privaten Team in den USA anschloss, für das sie ein jährliches Trainer-Honorar berappen muss.
„Ich musste immer schauen, dass ich mich irgendwo anschließen kann“, erklärt Cakmakli. „Im Moment ist das die beste Lösung.“ Die Gruppe speist sich was Alter und Herkunft angeht aus einem bunten Mix an Athleten, Aushängeschild ist US-Boy Nick Goepper (31) – einer der besten Ski-Freestyler der Welt.
Im Sommer verbrachte die gebürtige Allgäuerin drei Wochen in Park City. Besser gesagt in der dortigen Trainingshalle – Trampolin, Rollerblade-Schanze und Airbag inklusive. Zweimal pro Tag feilte Cakmakli in der Nähe der Olympiastadt Salt Lake City (Ausrichter 2002 und wieder 2034) an ihren Tricks. Eine Trampolinhalle gäbe es freilich auch in München – die einzige DSV-Hoffnung bekäme dort aber nur einmal pro Woche (!) einen Slot.
Cakmakli ist mit der Situation im Reinen, sagt aber auch: „Es frustriert mich, dass viele Leute nicht wissen, wie viel ich selbst investieren muss und wie oft ich mich alleine durchkämpfen muss.“ In ihren Augen: Keine Resignation. Sondern Feuer.MATHIAS MÜLLER