Im hohen Alter noch im Profisport aktiv zu sein, ist immer so eine Sache. Wer zum Beispiel das Erstrunden-Duell der French Open 2024 zwischen Stan Wawrinka und Andy Murray verfolgte, der war hin- und hergerissen. Beide Tennis-Altmeister spielten weit unter ihrem früheren Niveau und doch sah man ihnen gerne zu. Ähnlich verhielt es sich in der Spätphase von Tischtennis-Legende Timo Boll, der im Mai im Alter von 44 Jahren den Schläger zur Seite legte. Auch den beiden Skispringern Simon Ammann (44, Olympiasieger 2002!) und Noriaki Kasai (53, Weltmeister 1992) gönnt man nach wie vor jeden Zentimeter mehr an Weite. Doch was sie alle eint, ist – neben der Passion für ihren Sport – die Tatsache, dass sie nicht annähernd an ihre früheren Leistungen anknüpfen können. Das ist nicht schlimm, aber die nüchterne Realität.
So gesehen war der Abfahrtssieg von Lindsey Vonn am Freitag in St. Moritz tatsächlich eine „Sensation“. Der Begriff wird in der Berichterstattung mit Sicherheit etwas zu inflationär gebraucht, aber für eine 41-Jährige, die mit einem halben Titan-Prothesen-Knie die komplette Ski-Elite rasiert – der Vorsprung auf Platz zwei betrug 0,98 Sekunden (!) – ist er definitiv passend. Im Überschwang der Gefühle (Kommentator Neureuther: „Du bist eine Göttin“) könnte man die Abfahrts-Olympiasiegerin von 2010 sogar als „G.O.A.T“ (Greatest of all time) abfeiern, doch da thront ausgerechnet Landsfrau Mikaela Shiffrin über ihr. Warum? Weltcupsiege: 104:83 für Shiffrin. Olympia-Gold: 2:1 für Shiffrin. WM-Titel: 8:2 für Shiffrin.
Doch Vonn lieferte dem Skizirkus weit mehr als Bestzeiten, Medaillen und Titel – Drama, Baby, Drama! Die Freundschaft mit Maria Riesch artete in einen Zickenkrieg aus. Die Beziehung zu ihren Eltern war zwischenzeitlich nicht mehr existent. Und die frühe Ehe (mit 23) mit Thomas Vonn endet in der Scheidung und einer späteren Beziehung mit Golf-Superstar Tiger Woods, der deutlich mehr Frauen liebte als ein Golfplatz Löcher hat.
Kurzum: Lindsey Vonn ist und war immer für Schlagzeilen gut. Mittlerweile zum Glück wieder auf der Piste. Vielleicht auch dank des neuen Ski-Manns an ihrer Seite: Aksel Lund Svindal (42). Auch so jemand, den man gerne noch fahren sehen würde – ganz gleich mit welcher Platzierung.