Emma Aicher feiert nach ihrem dritten Weltcup-Sieg mit dem Team – bereits am Dienstag wechselt sie wieder auf Slalom-Ski. © Monn/Imago
Schon jetzt ein legendäres Podium: Aicher zwischen den Superstars Lindsey Vonn und Sofia Goggia (re.). © Hauer/Imago
Nach wenigen Toren stürzte Aicher im Super-G. © Screen
Naturtalent auf Abfahrtsski: Emma Aicher springt dem Triumph entgegen. © Mandl/Imago
St. Moritz – Auch bei der Ehrung nach ihrem bislang größten Sieg stahl Emma Aicher den Abfahrts-Königinnen noch die Show. Routiniert donnerte sie die Magnumflasche Sekt auf den Boden, dann bespritzte die 22-Jährige ausgelassen Lindsey Vonn und Sofia Goggia. Die zwei hochdekorierten Konkurrentinnen, die das Nonplusultra in der alpinen Königsdisziplin verkörpern, „schossen“ selbstverständlich zurück.
„Also, ich bin sehr, sehr zufrieden“, sagte die gewohnt gelassene Aicher in St. Moritz, wo sie einen Tag nach der Triumphfahrt von Vonn selbst ihren dritten Weltcupsieg feierte – 0,24 Sekunden vor der Amerikanerin, die im Gefühl des sicheren Sieges bereits die Huldigungen des Publikums genoss. Als Aicher nur zwei Minuten später über die Ziellinie geschossen war, blickte die 41 Jahre alte Olympiasiegerin von 2010 ein wenig verdattert drein: Das gibt‘s doch nicht!
Gibt es doch, vor allem, weil Aicher ein ausgesprochen „cleveres Mädel“ ist, wie DSV-Sportvorstand Wolfgang Maier betont. Beim triumphalen 83. Weltcupsieg von Vonn am Freitag war sie nach ein paar Patzern Fünfte geworden, 24 Stunden später gelang ihr auf der Corviglia eine fast perfekte Fahrt. „Ich habe das umsetzen können, was ich umsetzen wollte“, stellte sie trocken fest, „und ich habe einfach riesigen Spaß gehabt beim Skifahren“. Typisch Aicher: schnell dazulernen, Spaß haben.
Aber, auch typisch Aicher: Ihr fehlt noch die Konstanz, sie scheidet gerne mal aus. So geschehen am Sonntag im Super-G, der ohne vorherige Trainings gefahren wird. Aicher unterlief ein Flüchtigkeitsfehler, sie stürzte nach wenigen Fahrsekunden an einer Welle, kam aber mit dem Schrecken davon. „Ich habe“, erklärte sie in der ARD etwas missmutig, „die Sprungbewegung nicht gescheit gemacht, einfach dumm, das pisst mich schon ein bisschen an“. Kira Weidle-Winkelmann wurde Elfte.
Tags zuvor hatte Aicher ihre im Vergleich zu Vonn und Goggia mangelnde Erfahrung in Speed-Rennen noch überspielt. Als Vonn, im Super-G beim Sieg der Neuseeländerin Alice Robinson Vierte, schon drei Jahre im Weltcup fuhr, war sie noch nicht mal geboren. Als Draufgängerin Goggia (33), im Super-G Dritte, den ersten ihrer bisher 26 Weltcupsiege feierte, fuhr die Tochter einer schwedischen Mutter und eines deutschen Vaters noch Schülerrennen für Schweden. Den Mangel wett macht sie mit einem herausragenden Skigefühl.
„Sie hat“, stellte auch Vonn beeindruckt fest, „einen super leichten Touch.“ Damit gleicht Aicher auch einen weiteren Mangel aus: Weil sie als einzige im Weltcup alle Disziplinen fährt, verbringt sie kaum Zeit auf Abfahrtsskiern. Eine Woche im September beim Trainingslager in Chile, ein Tag Super-G-Training im November in den USA – das war es schon. Aicher aber ist ein Naturtalent in den Speed-Disziplinen – ihre nunmehr drei Weltcupsiege gelangen ihr in Abfahrt (2) und Super-G (1).
Und trotz Sturz im Super-G: Aicher rüttelt am Thron der Speed-Königinnen.SID