Einziger Lichtblick im Nebel

von Redaktion

Nur Raimund glänzt in Klingenthal – Wellinger nimmt sich Auszeit

Enttäuscht: Andreas Wellinger. © IMAGO/opokupix

Raimund springt wieder aufs Podium. © Memmler/Imago

Klingenthal – Philipp Raimund knabberte nervös auf seiner Unterlippe, starrte durch die sächsische Nebelsuppe Richtung Anzeigetafel – und lächelte dann leicht gequält: Dass ein dritter Platz bei Deutschlands derzeit bestem Skispringer eine klitzekleine Enttäuschung auslöste, unterstreicht Raimunds momentane Stärke. Beim Heimweltcup in Klingenthal flog der Oberstdorfer zum dritten Mal in Folge aufs Podest. Damit war er am Samstag der einzige Lichtblick der desaströsen DSV-Adler. Am Sonntag nicht mal mehr das – dann blieb auch ihm nur Platz zehn.

„Der erste Sieg könnte früher oder später mal kommen“, sagte Raimund in der ARD, durfte aber gut zwei Wochen vor Beginn der Vierschanzentournee festhalten: „Meine Sprünge sind weiter auf einem hohen Niveau, insgesamt bin ich megazufrieden.“ 20 000 lautstarke Fans in der Vogtland-Arena waren es ebenfalls – auch wenn der überragende Slowene Domen Prevc ein wenig den Partycrasher spielte.

Raimund flog nach starken 134,0 m im ersten Durchgang dann im Finale auf 131,0 m – immer noch hohes Niveau, aber zu wenig, um seinen zweiten Platz zu halten. Prevc machte unterdessen den Familien-Traumtag perfekt – seine Schwester Nika hatte am Mittag das Frauen-Springen gewonnen. Weltmeister Prevc setzte sich überlegen mit rund 14 Metern Vorsprung durch. Raimund musste noch Stefan Kraft (273,0) vorbeiziehen lassen. Österreichs Topspringer meldete sich stark aus der Babypause zurück – er war erstmals Vater geworden.

Die weiteren Deutschen erlebten vor heimischem Publikum ein Debakel. Der zuletzt so konstante Felix Hoffmann erreichte nur mit Mühe das Finale, kam auf Rang 29 und war damit noch zweitbester DSV-Adler. Die Krise von Andreas Wellinger setzt sich derweil fort. Der zweimalige Olympiasieger schied zum dritten Mal in Folge im ersten Durchgang aus. Die Tournee-Generalprobe am kommenden Wochenende in Engelberg wird er auslassen.

„Meine springerische Leistung ist einfach schlecht im Moment, ich kriege es nicht umgesetzt, dass ich Konstanz reinbringe“, sagte Wellinger: „Nächste Woche werde ich definitiv nicht mitfahren. Wir hatten schon unter der Woche darüber geredet, ob es Sinn macht, hier nach Klingenthal zu fahren. Ich muss jetzt Sprünge machen und etwas finden.“SID

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