Stürmer mit Biss – der einen Zahn verlor: Sigurd Haugen.
Das Opfer sieht Rot: Nach der Zweikampfszene, in der er sich am Knie verletzte, flog Kevin Volland vom Platz. © Sampics (2)
München – Es lief bereits die 102. Minute (!) in Ingolstadt, als der Audi-Sportpark erbebte. Die über 6000 Löwen-Fans schrien die Freude über den nächsten Big Point ihrer Mannschaft heraus – 2:1-Auswärtssieg (trotz mehr als 30-minütiger Unterzahl nach der Gelb-Roten Karte gegen Kevin Volland) im Oberbayern-Duell beim FC Ingolstadt. Siemen Voet, Max Reinthaler und die anderen Löwen sprangen freudestrahlend herum, manche ließen sich im Kreis gar zu einer Tanzeinlage hinreißen. „Es gibt nichts Geileres als einen Derbysieg vor so vielen Zuschauern“, freute sich der bärenstarke 1860-Keeper Thomas Dähne nach dem Spiel. Es war ein Auswärtserfolg des Willens – den Sechzig allerdings teuer bezahlte.
Sigurd Haugen befand sich bereits auf dem Weg ins Krankenhaus, als seine Teamkollegen in Ingolstadt den Sieg über die Zeit retteten. Der Norweger war im zweiten Durchgang mit FCI-Keeper Kai Eisele zusammengerauscht, musste benommen ausgewechselt werden – und verlor bei der Aktion einen Zahn, informierte 1860-Coach Markus Kauczinski nach dem Spiel. Noch mehr Grund zur Sorge besteht bei Volland, der nach dem Zweikampf, der zum Platzverweis führte, mit schmerzverzerrtem Gesicht liegenblieb. Nach seiner Gelb-Roten Karte humpelte Volland fluchend und mit bandagiertem Knie vom Feld. „Das Knie ist dick“, erklärte Kauczinski mit düsterer Miene. Die nächsten Tage werden Klarheit bringen. Volland wird beim Jahresausklang gegen Verl (Samstag, 16.30 Uhr) genauso fehlen wie Siemen Voet, der in Ingolstadt seine fünfte Gelbe Karte sah.
Zur Wahrheit gehörte an diesem kalten Dezembernachmittag aber auch: In der ersten halben Stunde fühlten sich nicht wenige Löwen-Fans an die 0:4-Packung in Regensburg erinnert. Ingolstadt war die bessere Mannschaft, 1860 kam kaum in die Zweikämpfe. Gleich mehrfach bewahrte Dähne sein Team vor einem höheren Rückstand als dem 0:1 durch Dennis Kaygin (20.). Sechzig schüttelte sich, übernahm die Kontrolle – und kam verdient zum Ausgleich kurz vor der Pause. Patrick Hobsch köpfte einen Jacobsen-Freistoß in die Mitte und Haugen besorgte aus kurzer Distanz das so wichtige 1:1. Anders als in Regensburg schaffte es 1860 dieses Mal, in die Partie zurückzufinden. „Wir haben vor dem Spiel ganz klar gesagt, dass so etwas wie in Regensburg nicht noch mal passieren darf. Heute waren wir giftiger und haben verdient gewonnen“, betonte Dähne.
Die Löwen starteten furios in die zweite Halbzeit, Welle um Welle rollte auf das Ingolstädter Tor zu. In der 58. Minute war es dann soweit: Volland fand mit seiner gefühlvollen Flanke Hobsch am langen Pfosten, der zum 2:1-Sieg einköpfte. Der Rest war Chancenwucher von 1860, überragende Paraden von Dähne, jede Menge Leidenschaft der Sechzger – und ein brachialer Jubel der Gäste, die sich im Aufstiegskampf zurückmelden.MARCO BLANCO UCLES