Die Ally-Pally-Wespe – hier auf Munyua. © DAZN
Legende Phil Taylor holte 16 Mal den WM-Titel. © Imago
Acht Millimeter dünn sind die begehrten Felder auf der Dart-Scheibe. © Neis/Imago
Die Fans verkleiden sich für die Darts-WM im Alexandra Palace und hoffen auf einen Neun-Darter. © IMAGO
London – Die erste Runde der Darts-WM 2026 ist passé, die heiße Phase beginnt erst nach Weihnachten und findet ihren Höhepunkt im Finale am 3. Januar. Wir blicken auf die Geschichten des Dartboards und der berüchtigten Bühne im Alexandra Palace.
■ Abwurfwinkel
Eigentlich stehen die meisten Spieler leicht verdreht an der Wurflinie, dem sogenannten Oche (gesprochen: okkie). Michael van Gerwen zum Beispiel lehnt sich weit nach vorn, andere stellen sich sehr frontal zur Scheibe. Einen kuriosen Stand hat Stephen Bunting. Der Grund: In seinem Kinderzimmer war die Tür leicht im Weg, sodass er sich immer etwas versetzt hinstellen musste. Es sei mittlerweile sein „natürlicher Stand“.
■ Bulls Eye
Mit einem Doppel müssen die Dartprofis am Ende ihre Punktzahl auf Null bringen, eigentlich ist das der äußere Ring auf dem Board – mit Ausnahme des Bulls Eyes. Weil der rote Knopf in der Mitte das kleinste Feld ist und 50 Punkte bringt, sind Bulls-Eye-Finishes besonders spektakulär. Der grüne Ring drum herum zählt übrigens 25 Punkte.
■ Triple 20
Das wichtigste Feld ist acht Millimeter dünn und das mit Abstand am häufigsten anvisierte Feld der Profis. Mit 60 Punkten hat es auch die höchste Wertigkeit, was vor allem in den ersten zwei bis drei Aufnahmen wichtig ist, um schnellstmöglich in den Finish-Bereich (ab 170 Punkten) zu gelangen.
■ Onehundredandeighty
„Onehundredandeighty“ – der Traum eines jeden Hobby-Dartspielers, fast schon das täglich Brot der Elite. Im vergangenen Jahr spielte, wenig überraschend, der Weltranglistenerste Luke Littler mit 853 die meisten Maxima seit seinem WM-Titel Anfang Januar. Vor allem seine Darts mit langen Spitzen ermöglichen ihm, die Triple 20 zu malträtieren. Direkt dahinter liegt die beste Spielerin der Welt, Beau Greaves, mit 677.
■ Triple 19
Michael van Gerwen war in seiner besten Zeit – zwischen 2013 und 2017 gab es am Niederländer kaum ein Vorbeikommen – der König auf der Triple 19. Wenn das rote Feld im 20er-Segment verdeckt ist, wechselt die langjährige Nummer eins der Welt häufig ans andere Ende des Boards und versucht statt 60 Punkte, 57 zu erzielen. Mittlerweile regiert aber Madarz Razma die Triple 19. Keiner bespielt das Feld so oft wie der Lette, der bei der WM in Runde zwei steht.
■ Doppel-17
Das kleine, grüne Feld wird beim Darts kaum angeworfen. So selten, dass Kommentatoren-Legende Elmar Paulke und Sport1-Experte Robert Marijanovic einst miteinander wetteten, ob sie bei der WM einmal zum Ausmachen genutzt werden würde. Es kam schon häufiger vor, dass die Doppel 17 noch nicht einmal anvisiert wurde. Vergangenes Jahr wurden immerhin zwei der insgesamt 1751 (!) Legs mit dem tief gelegenen und ungeraden, auch deshalb ungeliebten Feld gecheckt.
■ Big Fish
Luke Littler oder Ricky Evans holen immer mal wieder die Angel raus. Als Big Fish wird das höchste Finish bezeichnet, das man mit drei Darts ausmachen kann – es ist ein echtes Highlight. Und für die 170 gibt es nur einen Weg: Zweimal die Triple 20 und das Bulls Eye in der Mitte. Der Angel-Jubel ist längst Kult unter Spielern und Fans.
■ Mad House
Die Doppel eins, der Notnagel eines jeden Dartspielers, viele Amateure sind daran bereits verzweifelt. Und im April auch zwei Profis. 40 (!) Darts hat es gedauert, bis Joe Cullen (Nummer 32 der Welt) endlich sein Leg entschied – natürlich über das sogenannte Mad House.
■ 9-Darter
Was für die Hobby-Darter die 180 ist, ist für die Profis das perfekte Spiel. Neun Darts braucht es mindestens, um die 501 Punkte auf Null zu bringen. Historisch gut war ein Leg im WM-Finale 2023 zwischen van Gerwen und Michael Smith: Der Niederländer verpasste nach achte perfekten die Doppel 12, Smith stand ebenfalls bereit und vollendete eines der besten Legs aller Zeiten. Übrigens gibt es insgesamt 18 verschiedene Kombinationen, um einen 9-Darter zu spielen.
■ Ally-Pally-Wespe
Sie ist seit Jahren der heimliche Star der WM: die Ally-Pally-Wespe. Sie setzt sich auf die Shirts der Spieler, teilweise sogar auf das Gesicht, störte Luke Littler beim Sieger-Interview. Jurjen van der Velde dachte sich: Genug Spaß gehabt, und brachte ein Insektenspray mit auf die Bühne. „Alle haben Probleme mit dieser verdammten Wespe“, sagte er. Die BBC bemühte nun den Wespenforscher Seirian Summer. Die Erkenntnis: Es handelt sich um Wespenköniginnen, die in den warmen Dachböden oder auf dem Gelände rund um den Park des Ally Pally nisten.
■ Gehörschutz
Unvergessen ist das Viertelfinale zwischen Gabriel Clemens und Gerwyn Price vor knapp drei Jahren. Nicht nur weil „Gaga“ als erster Deutscher in ein WM-Halbfinale einzog, sondern auch weil der Waliser nach einer Pause mit einem markanten Gehörschutz auf die Bühne zurückkehrte. Mittlerweile sind diese „Kopfhörer“ verboten, Ohrstöpsel sind weiterhin erlaubt.
■ Sid-Waddell-Trophäe
Der gut 70 cm große Pokal ist benannt nach einer Reporterlegende. Schon 1978 kommentierte Sid Waddell die erste WM überhaupt und begleitete bis 2011 die größten Turniere. Nach seinem Tod 2012 wurde die WM-Trophäe nach Waddell benannt. In seiner Laufbahn sagte er legendäre Sätze wie: „Wilhelm Tell konnte einem einen Apfel vom Kopf schießen, Taylor würde sogar eine verdaute Erbse treffen“, „Mit 33 Jahren war Alexander der Große sehr traurig, weil es keine Welten mehr zu erobern gab… Bristow ist erst 27“. Man könnte ihn mittlerweile aktualisieren, denn Littler ist erst 18 und hat fast jedes große Turnier gewonnen. Am 3. Januar will er seinen WM-Titel verteidigen.AVO, NMS