Pesic rechnet mit der Liga ab!

von Redaktion

Nach der Veröffentlichung der Budgetzahlen der BBL – Bayern prüft Konsequenzen

Keine Strategie? Liga-Chef Stefan Holz. © IMAGO/Ullbrich

Meinungsstark: Noch-FCB-Chef Marko Pesic. © IMAGO

München – Die Reaktion ließ nicht lange auf sich warten. Und sie kam von einem Mann, der sich bei den Basketballern des FC Bayern eigentlich schon aus dem operativen Geschäft verabschiedet hat. Von Marko Pesic nämlich, dem Langzeitchef der Korbjäger, der seinen Abschied zum Jahresende noch einmal mit einer Breitseite gegen die Bundesliga (BBL) garnierte. „Der Basketball in diesem Land erlebt ein historisches Momentum“, schrieb Pesic beiLinkedin. „Umso auffälliger ist, dass auf Liga-Ebene keine erkennbare Gesamtstrategie existiert, wie dieses Momentum genutzt werden soll, um den Sport nachhaltig zu entwickeln.“

Was den 49-Jährigen auf den Plan rief, waren die Veröffentlichungen der BBL zu den wirtschaftlichen Verhältnissen der 18 Clubs. Die Liga hatte am Donnerstag eine Tabelle öffentlich gemacht, die die Bayern mit großem Abstand als finanzstärksten Club der BBL ausweist. Das planmäßige Budget beträgt 48,4 Millionen Euro, mit gewaltigem Abstand dahinter folgen Alba Berlin (11,4) und Ulm (9,2). Das Problem: die Zahlen sind weder erklärt noch eingeordnet. Dass die Bayern eben mit einem Euroleague-Apparat arbeiten müssen – mehr Spiele, mehr Reisen, mehr Profis, mehr Trainer und Betreuer, nicht zu vergessen – bleibt unerwähnt. Ebenso wie der Umstand, dass die Basketballer ihr Stammquartier mittlerweile vermehrt auch für sportfremde Veranstaltungen nutzen. Am Silvesterabend etwa steigt Florian Silbereisens „Schlagerboom“ auf dem Glasboden des BMW-Parks. „Solche Veranstaltungen erzeugen natürlich Umsätze“, sagte Pesics kaufmännischer Nachfolger Adrian Sarmiento, „aber der Betrieb der Halle erzeugt auch hohe Kosten.“

Derlei Dinge lässt die BBL in ihrer Aussendung unerwähnt. Und das sorgt gerade vor dem Hintergrund der sportlich prekären Lage in der Königsklasse zwangsläufig für Häme, wie Pesic findet. „Das Ergebnis ist keine Aufklärung, sondern Verkürzung, Polarisierung und Spaltung, mit vorhersehbarer Wirkung“, schreibt er.

BBL-Präsident Alexander Reil kann das Argument nachvollziehen. „Wir haben in Deutschland sicher die Neigung zu Neiddebatten“, sagte er. Für ihn ist die Veröffentlichung, für die die große Mehrheit der Clubs votiert hat, dennoch „eine Sache der Transparenz.“ Die Münchner Zahlen sehe er „mit Bewunderung. Bayern ist eine Benchmark. Es ist großartig, was man erreicht hat.“ Sarmiento, reicht das nicht aus. „Es ist so, dass Dinge zu unseren Lasten verkürzt dargestellt werden“, betonte er, „wir prüfen, ob wir dagegen vorgehen. Weil wir uns schützen müssen.“

Wobei die Bayern übrigens, so unterschiedlich sind die Realitäten der Basketball-Welt, mit dem Personalbudget von 18 Millionen Euro (Brutto) in der Königsklasse tatsächlich im unteren Bereich zu finden sind. Zum Vergleich: Hapoel Tel Avivs Vasilije Micic streicht alleine sechs Millionen jährlich ein.PATRICK REICHELT