Frust vor dem Fest: Durch einen Standard geriet 1860 in Rückstand. Später flog dann noch Kapitän Jacobsen vom Platz. Niederlechner, Hobsch (v.l.) und Reinthaler hadern. © Sampics
Das nächste Toptalent: U 17-Vizeweltmeister Loris Husic mit 1860-Boss Paula (2.v.r.) und dem Präsidium um Gernot Mang (2.v.l.) Der Kufsteiner wurde vor dem Anpfiff geehrt. © Sampics
Frohe Weihnachten, Löwen! Mit Feuerwerk und stimmungsvoller Choreo verabschiedeten die Fans in der Westkurve das Team in die Winterpause. © Sampics / Stefan Matzke
München – Giesing am Tag vor dem vierten Advent: Dämmerlicht im Grünwalder Stadion, stimmungsvolle Choreo in der Westkurve, Wunderkerzen und ein Pumuckl-Banner („Besinnliche Feiertage“). Selbst die Stadionregie wechselte das Programm – statt Hells Bells lief Jingle Bells. Auf dem Rasen passten sich die Löwen der Vorweihnachtsstimmung an und überließen dem Gast aus Verl Ball und Spielkontrolle.
Zur Pause stand es 0:1 nach einer einseitigen ersten Hälfte. Und doch sollte das letzte Spiel des Jahres nicht einfach so dem Ende entgegenplätschern.
Ein vorgezogenes Silvesterfeuerwerk der Ultras eröffnete Durchgang zwei – offenbar ein Weckruf. 1860 zeigte nun zumindest Gegenwehr. Doch als der grippegeschwächte Kapitän Thore Jacobsen mit Gelb-Rot vom Platz musste (55., wiederholtes Foulspiel), waren die Kräfteverhältnisse endgültig geklärt. Trotz Aufbäumens in Unterzahl hieß es am Ende 0:2 – die erste Niederlage nach zuletzt vier Siegen in Serie.
Zu viele Ausfälle aufseiten der Gastgeber, dazu ein bärenstarker Gegner, der nicht ohne Grund seit elf Spielen ungeschlagen ist. In der Summe sprach an diesem Samstag zu viel gegen 1860, um die Erfolgsserie bis ins neue Jahr zu retten. „Es war ein verdienter Sieg für Verl“, sagte Trainer Markus Kauczinski. „Wir haben es vor der Pause nicht geschafft, uns zu befreien und den Ball zu halten. Man muss anerkennen, dass Verl in einigen Bereichen besser war als wir.“
Vor allem spielerisch. Die Gäste überzeugten mit Passsicherheit, klugem Positionsspiel und Cleverness – und sie hatten einstudierte Standards im Gepäck. Eine kreative Variante führte früh zum 0:1: Ecke von links, Direktabnahme durch Mhamdi (12.). Viel sprach da bereits gegen die Löwen. Hobsch verpasste ein Jakob-Zuspiel – beste Löwen-Chance der ersten Hälfte. Später zielten Rittmüller und Niederlechner zu ungenau.
Die letzten Zweifel am Sieg des neuen Angstgegners beseitigte Besio mit dem 0:2 (76.). Sportlich fair verzichteten die Löwen auf Ausreden, doch jedem war klar: Es war auch eine Qualitätsfrage. Von Kapitän Jesper Verlaat über Stratege Tunay Deniz und Torjäger Sigurd Haugen bis zu Kevin Volland – der Ausfall von acht potenziellen Stammspielern ist für keinen Drittligakader aufzufangen.
Kauczinski blieb dennoch zuversichtlich: „Auch wenn wir verloren haben, sehe ich eine gute Entwicklung. Jetzt haben wir im neuen Jahr die Chance, nochmals anzugreifen.“ Die Punktausbeute in seiner Amtszeit ist mehr als ordentlich: sechs Siege, drei Niederlagen – Schnitt 2,0. Fußballerisch gehe es Schritt für Schritt voran. Die Aufstiegsplätze in der Tabelle bleiben in Reichweite.
Auch die Spieler blickten nach vorne. Während Volland sich am Spielfeldrand Zeit für große und kleine Fans nahm und Kieferpatient Haugen schon wieder locker durchs Stadion lief, war die Botschaft klar: 30 Punkte sind eine solide Basis für die zweite Halbserie. Florian Niederlechner, der nach Jacobsens Platzverweis die Kapitänsbinde trug, kündigte an: „Jetzt tanken wir Kraft – und dann heißt es: Vollangriff 2026.“
Weiter geht’s am 17. Januar mit dem Heimspiel gegen Essen (14 Uhr). Die Sorgen reißen aber nicht ab: Jacobsen ist dann gesperrt, Sebastian Maier nach den Ausfällen von Christiansen und Deniz der einzige gestandene Sechser.ULI KELLNER