Von „Schnauze voll“ zu Rang zwei

von Redaktion

Kira Weidle-Winkelmann ist schneller als Vonn – Fabian Gratz verpasst eine Sensation

Fabian Gratz legte einen brillanten zweiten Lauf hin. Am Ende reichte es für Rang fünf. © Prati/Imago

Endlich wieder unter den besten drei: Kira Weidle-Winkelmann mit Lindsey Vonn. © Horcajuelo/EPA

Val d’Isère/Alta Badia – Dem Höhenflug folgte eine kleine Bauchlandung, am Ende aber überwog bei Kira Weidle-Winkelmann die Erleichterung über die Rückkehr in die Weltspitze. Fast drei Jahre hatte sie auf eine Podestplatzierung warten müssen, die selten gewordenen Momente genoss sie daher in vollen Zügen. „Ich bin natürlich sehr happy“, sagte die 29 Jahre alte Schwäbin, „dass es endlich mal wieder für ein Stockerl gereicht hat.“ Und ja, betonte sie, „das bedeutet mir sehr viel, es war wirklich eine Durststrecke die letzten Jahre.“

Während Fabian Gratz beim Riesenslalom in Alta Badia nach einer gewaltigen Aufholjagd als herausragender Fünfter nur um Haaresbreite eine Sensation verpasste, fuhr Weidle-Winkelmann bei der Abfahrt in Val d‘Isère zum ersten Mal seit Januar 2023 wieder auf das Podest. Mit Startnummer eins war sie auf die Piste gegangen, im Ziel machte sie danach gleich mehrfach große Augen: Als die am Ende drittplatzierte Lindsey Vonn ebenso langsamer war wie Sofia Goggia aus Italien.

„Ja“, bekannte Weidle-Winkelmann mit einem Lächeln, „von Lindsey und Sofia hätte ich schon gedacht, dass die das auf jeden Fall schaffen“, heißt: Ihre Zeit zu unterbieten. Dies gelang nur der Österreicherin Cornelia Hütter, sie war 0,22 Sekunden schneller. Emma Aicher, die eine Woche zuvor in St. Moritz vor Vonn und Goggia gewonnen hatte, kam auf Rang zehn, im Super-G am Sonntag wurde sie Elfte.

Weidle-Winkelmann verpatzte nach dem Höhenflug am Samstag das zweite Rennen des Wochenendes. Mit 1,51 Sekunden Rückstand auf Goggia, die vor Alice Robinson aus Neuseeland und Vonn ihren ersten Saisonsieg feierte, belegte sie nur Rang 21. „Das ist ein bisschen ein Dämpfer, aber solche Tage gibt es. Sie sollten nur nicht zu oft passieren“, sagte Weidle-Winkelmann im ZDF. Dennoch gewann sie an diesem Wochenende in Hochsavoyen die Gewissheit, dass sie die Weltspitze wieder aufmischen kann.

Mitten hinein in diese Weltspitze fuhr am Sonntag völlig überraschend Gratz. Nach dem ersten Durchgang hatte er nur auf Rang 29 gelegen, nach einer unfassbaren Aufholjagd mit überlegener Laufbestzeit verfehlte der 28 Jahre alte Bayer vom TSV Altenau auf der Gran Risa nur um 0,26 Sekunden das Siegerpodest. Zu Sieger Marco Schwarz (Österreich) fehlten ihm lediglich 0,48 Sekunden. „Ich muss das erst mal analysieren, damit ich weiß, was da so gut war“, sagte Gratz nach dem Rennen seines Lebens.

Gratz war zu seiner Verblüffung sogar schneller als Dominator Marco Odermatt aus der Schweiz, den er zuletzt in einem Schülerrennen besiegt hatte. „Wahnsinn“, sagte er, dass ihm das nun wieder gelungen sei, „die letzten Jahre war das undenkbar.“SID

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