„Ich bin wieder da“

von Redaktion

Svetislav Pesic soll wie schon 2012/13 die Saison der Basketballer des FC Bayern retten

„Attraktiv spielen und gewinnen ist nicht kompatibel“: Svetislav Pesic mit Bayern-Chef Herbert Hainer. © IMAGO

München – An die Zeichen der neuen Zeit musste sich Svetislav Pesic ein bisschen gewöhnen. Serbiens Trainerlegende zwinkerte mit mürrischer Miene ins grelle Scheinwerferlicht des SAP Garden. Doch ganz plötzlich wich sie einem Lächeln: „Ich bin wieder da.“

Pesic also, der Münchner Meistertrainer von 2014. Der mittlerweile 76-Jährige soll die Saison der Basketballer des FC Bayern retten. Meister und Pokalsieger werden, klar, aber auch in der Euroleague zur Aufholjagd blasen. Das stellte auch Clubchef Herbert Hainer klar: „Wir schreiben unsere hohen Ziele noch nicht ab.“

Deshalb hatte der Club Ende der Woche ja auch die Reißleine gezogen und Gordon Herbert aus dem Amt geschickt. Wobei sich die Verantwortlichen nicht nur an den Ergebnissen, sondern auch an den zuletzt zunehmend unansehnlicheren Auftritten gestört. „Wir wollen attraktiven Basketball sehen“, sagte Hainer. Rückkehrer Svetislav Pesic indes macht ihm da nur bedingt Hoffnung: „Attraktiver Basketball und gewinnen ist nicht kompatibel.“

Viel Zeit, seine Ideen einzubringen, hat Pesic indes nicht. Schon am Dienstag (19.30 Uhr) geht es im SAP Garden gegen Euroleague-Primus Hapoel Tel-Aviv. Bis zum Jahreswechsel folgen die Bundesliga-Partien in Frankfurt (26.12.), gegen Trier (28.12.) und in Rostock (31.12.). „Bis dahin muss ich die Spieler kennenlernen“, sagte er, „und bis dahin werden sie mich kennen lernen.“ Ok zumindest letzteres klang ein bisschen wie eine Drohung.

Klar ist: Das spektakuläre Comeback ist bis zum Saisonende befristet. Mit dieser Maßgabe hatten sich die Bayern auf die Suche gemacht. Dabei habe man am Wochenende auch zwei Alternativkandidaten abgeklopft, wie Sportchef Dragan Tarlac erklärte, beide winkten auch mit Blick auf die Kürze der Zeit ab. Pesic nicht, Montagmorgen gab der Mann, der passenderweise seit seinem letzten Engagement in München lebt, den Bayern wieder das Ja-Wort.

Und eigentlich ist die Situation für Svetislav Pesic gar nicht so unbekannt. Auch bei seinem ersten Engagement 2012/13 war er als Feuerwehrmann in eine laufende Saison eingestiegen. Seinerzeit hatten die Bayern in der zweiten Spielzeit nach der Rückkehr in die BBL einen kapitalen Fehlstart hingelegt. Mit dem Vater des nun scheidenden Bayernchefs Marko Pesic ging es immerhin noch bis ins Halbfinale. Ein Jahr später führte er die Münchner zum ersten Meistertitel ihrer Basketball-Neuzeit. Der Weg der Bayern zum nationalen Spitzenteam und Branchenführer – er trägt Pesics Namen.

Jetzt ist die Situation noch einmal eine andere. Die Bayern sind zum Anteilseigner der Euroleague aufgestiegen, und wollen sich baldmöglichst auch sportlich wieder als ein solcher präsentieren. Wobei sich die Frage schon stellt: Wo kann ein Trainer ansetzen, der in den nächsten Wochen und Monaten wenig trainiert und vor allem reist und spielt? „Ich bin nicht dumm“, sagte Pesic, „ich werde Gordies Arbeit nutzen und darauf aufbauen.“

Bei normalem Verlauf werden ihm mit seinen Bayern noch gut 50 Spiele bis zum Saisonende bleiben. Das Gros davon dann allerdings ohne seinen Sohn, der zum Jahresende endgültig aus seinem Amt als Geschäftsführer ausscheidet. Aber das ist vielleicht auch ganz gut so, wie Pesic senior scherzhaft anmerkte: „Ein Pesic ist genug.“PATRICK REICHELT

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