Martin Schindler nach seiner deftigen Niederlage.
Enges Duell: Luke Humphries und Gabriel Clemens.
Die WM-Party immer Alexandra Palace wird weitergehen – nur ohne deutsche Beteiligung. © Walton/dpa (4)
„Die Deutschen sollten öfter trainieren“, sagte Michael van Gerwen (l) nach seinem Sieg über Arno Merk.
London – Alle Jahre wieder. Wenn die heiße Phase der Darts-WM startet, sind die Deutschen wie so oft nur noch Zuschauer. Eine Rekordzahl von acht Spielern hatte sich qualifiziert, vier waren in die dritte Runde eingezogen – und kurz nach Weihnachten sind doch schon wieder alle Träume zerplatzt. Bereits das Achtelfinale steigt ohne deutsche Beteiligung, Martin Schindler, Gabriel Clemens und Co. verfolgen den Kampf um die Sid Waddell Trophy bloß vor dem Fernseher.
Im Alexandra Palace hingen die Trauben erneut zu hoch, nicht einmal ein deutscher WM-Rekord reichte aus. „Ein Land wie Deutschland sollte mehr Spieler auf Topniveau haben“, sagte Michael van Gerwen, einer der Stars der Szene, nach seinem mühelosen 4:1 gegen Debütant Arno Merk: „Es war ein Klassenunterschied. Ich hätte noch mehr bringen können, wenn ich gemusst hätte.“ Tipps? „Sie sollten öfter mit mir trainieren“, sagte der Niederländer flapsig: „Sie müssen konstanter werden – so wie ich.“
Dabei schieden die Deutschen auf höchst unterschiedliche Art und Weise aus. Während der Weltranglisten-13. Schindler als großer Hoffnungsträger eine krachende Niederlage kassierte, lief der über die Saison schwächelnde Clemens in Runde drei gegen Luke Humphries zur Höchstform auf. Doch auch der erste Average von über 100 Punkten eines Deutschen bei einer WM reichte gegen den Weltranglistenzweiten nicht. Wie Ricardo Pietreczko und Merk musste der „German Giant“ die Heimreise antreten.
„Das Einzige, was ich mitnehmen kann, ist, dass ich immer noch mit jedem auf der Welt mithalten kann“, sagte Clemens trotzig bei DAZN. Sein sensationeller Lauf bis ins Halbfinale der WM 2023 bleibt weiter mit Abstand der größte Erfolg eines deutschen Dartsspielers im Londoner Alexandra Palace. Und sonst? War immer spätestens in Runde drei für die letzten Deutschen Schluss. „Es war schon eine Chance“, ärgerte sich Schindler nach seinem überraschenden 0:4 gegen Ryan Searle. Vor allem der Strausberger hatte nach einem starken Jahr Hoffnungen auf einen tiefen Lauf geschürt, auch der Turnierbaum meinte es vermeintlich gut.
Der Darts-Boom in Deutschland, erst im November hatte der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) ein starkes Mitgliederwachstum von 59 Prozent vermeldet, ist in der Spitze noch kaum spürbar. „Die Breite in Deutschland ist unheimlich stark geworden. Die jungen Spieler sind schon richtig gut“, urteilte Merk nach seinem Aus. Es sei entsprechend eine Frage der Zeit, bis sich dies auch in der heißen Phase einer Weltmeisterschaft zeige.
„Von deutscher Seite kann noch sehr viel kommen“, frohlockte Merk. Sowohl Schindler als auch der überraschend in Runde eins gescheiterte Niko Springer könnten „in naher Zukunft einen Major-Titel holen. Darts-Deutschland rückt auf jeden Fall immer weiter vor“. Mit Schindler steht erstmals ein Deutscher in den Top 16 der Welt, neben der deutschen Nummer eins haben auch Max Hopp, Pietreczko oder Springer bereits auf der European Tour ein Turnier gewonnen.
Nur auf der größtmöglichen Bühne soll es eben weiter nicht klappen.SID