ZUM TAGE

Der Verdacht springt mit

von Redaktion

Felix Hoffmann erlebte gewissermaßen den Kollateralschaden des ersten Aufregers der Vierschanzentournee. Weil die Disqualifikation des Slowenen Timi Zajc ihn noch aufs Podest bugsierte, musste der deutsche Spätstarter gleich zwei Medienrunden drehen. Der Dritte von Oberstdorf wird es gut verkraftet haben. Die Tournee, ja die ganze Szene hat ihre Belastungsprobe noch vor sich.

Ja, die Materialkontrolleure haben durchgegriffen. Und außerhalb Sloweniens war die einhellige Meinung der Beobachter: Richtig so. Aber der Fall Timi Zajc hat halt auch die ohnehin vagen Hoffnungen beiseite gewischt, dass die Springerszene ihre Lektion aus den unwürdigen Tagen von Trondheim gelernt hat. Die fliegenden Männer haben immer die Grenzbereiche der Sportart ausgelotet und so wird das auch bleiben.

Weil halt schon Winzigkeiten bei den Skispringen so viel bewirken können. Für die so viel diskutierten Anzüge gibt es eine grobe Faustregel: Vergrößert man das Textil um ein Prozent, dann kann alleine das den Athleten bis zu eineinhalb Meter weiter tragen. Zur Erinnerung: Beim Tournee-Auftakt in Oberstdorf lagen zwischen Daniel Tschofenig auf Platz zwei und dem Fünften Philipp Raimund genau zwei Meter.

Dass Zajc‘ Anzug vor seinem ersten Sprung in der Norm war und nach dem Finale um drei Millimeter daneben, ist zumindest interpretationsfähig. Ist es Materialermüdung? Oder hatte der Slowene doch mit dem Material verhängnisvoll getrickst?

Der Verdacht springt ohnehin spätestens seit Trondheim mit. Und mit ihm wird auch der Allerbeste spätestens seit dem Malheur seines Teamkollgen leben müssen. Kein Zweifel: Domen Prevc kombiniert in diesen Tagen das wohl effektivste Sprungsystem mit einer außergewöhnlichen Form. Doch ist das schon Erklärung genug für schwer fassbare zehn Meter, die er bereits in Oberstdorf zwischen sich und seine Tournee-Rivalen gelegt hat? Oder profitiert er doch von einem Trick, der Timi Zajc vielleicht zum Verhängnis wurde.

Der erste Verdacht richtet sich auf die Schuhe. Vielleicht ist es regelkonform, was sich der Slowene zu eigen gemacht hat, vielleicht nicht. Klar ist: Die Kontrolleure werden schon in Partenkirchen noch genauer hinschauen. Noch so ein Kollateralschaden des Falles Timi Zajc.

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