Das Winter-Wunder

von Redaktion

Dachauerin ist die beste Tischtennis-Spielerin Europas

Winter führte die deutsche Nationalmannschaft zum EM-Titel. © Bingjie/Imago

München – Nicht alles hängt im Leistungssport immer nur vom Können und von der Form ab. Manchmal spielt die Technik eine entscheidende Rolle. Läuferinnen und Läufer in Carbonschuhen haben die Marathon-Weltrekorde pulverisiert. Mit einem Aluminium-Röhrchen an seiner Skibindung wurde der Schweizer Simon Ammann noch einmal Skisprung-Olympiasieger.

In den vergangenen Monaten stieg ein deutsches Tischtennis-Ass mit 33 Jahren zur besten Spielerin Europas auf, weil sie sich einen völlig anderen Belag auf ihren Schläger geklebt hat. Sabine Winters „Anti-Topspin“: Das ist eine der besten und auch riskantesten Ideen des Sport-Jahres 2025.

„Wenn das nicht geklappt hätte, wäre wahrscheinlich meine Tischtennis-Karriere jetzt beendet oder wären zumindest die Tage in der Nationalmannschaft für mich gezählt gewesen“, sagte Winter. „Es haben die Allerwenigsten geglaubt, dass das funktionieren kann.“ Wer einen Internetshop für Tischtennis-Bedarf aufsucht, kann dort zwischen mehr als 400 verschiedenen Belägen für unterschiedliche Spielweisen wählen. Es ist eine Wissenschaft für sich. Auf Weltklasse-Niveau achten allerdings fast alle Spielerinnen und Spieler darauf, bei ihren Schlägen möglichst viel Tempo und Effet zu erzeugen.

Das „Winter-Märchen“ („Tischtennis-Magazin“) besteht darin, mit ihrem Belag auf der Rückhand-Seite genau das Gegenteil zu bewirken und nach 15 Profijahren überhaupt noch einmal ihre Spielweise zu ändern. „Das“, sagte sie, „hat davor noch nie jemand gewagt.“ Konkret hat ihr Belag eine glatte, reibungsfreie Oberfläche und einen Dämpfungsschwamm. Schlägt die Gegnerin den Ball mit viel Härte und Spin über das Netz, nimmt Winter damit Tempo und Rotation aus den Ballwechseln heraus. Manchmal fällt ein Rückhandball der Deutschen kurz hinter dem Netz auf den Tisch – was viele Gegnerinnen irritiert, frustriert oder nervös macht.

Die Ergebnisse sind beeindruckend. In der Weltrangliste kletterte die Bundesliga-Spielerin des TSV Dachau zeitweise bis auf Platz 16. Bei der erfolgreichen Team-EM im Oktober gewann sie von der Gruppenphase bis zum Endspiel jedes ihrer sechs Einzel. Die Rumänin Bernadette Szöcs als bislang beste Spielerin Europas wurde von Winter in diesem Jahr zweimal in 3:0 Sätzen zerlegt.

„Ich habe eine sehr starke Waffe – die Vorhand“, erklärte sie. „Und ich bin auch bereit, viel zu schwitzen, viel zu laufen und mich schnell zu bewegen.“

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