Im Lauf des Wochenendes mit seiner sich stündlich verdichtenden Nachrichtenlage kam natürlich auch die Frage auf: Wird die Fußball-Weltmeisterschaft in ein paar Monaten mit den USA als Hauptaustragungsland überhaupt noch stattfinden können, so wie die Amerikaner in ihrem Konflikt mit Venezuela auftreten? Greift US-Präsident Trump bis zum WM-Anpfiff nach weiteren Territorien, berauscht er sich an den nächsten militärischen Operationen, die er als nächtliches Entertainment per Livestream verfolgt? Vieles kann passieren – doch dass sich aus Reihen des Fußballs Protest erhebt gegen das imperialistische Gebaren der Vereinigten Staaten, damit sollte man nicht rechnen.
Wie schnell Einzelverbände, auch solche mit Größe und Einfluss, sich fügen, hat man 2022 in Katar gesehen, wo die Kritiker ab dem Moment verstummten, in dem es um den sportlichen (und wirtschaftlichen) Erfolg der Mission ging. Ihre Stimme müsste die Organisation erheben, die der Auftraggeber für die WM ist und somit in einer starken geschäftlichen Position wäre – doch von dieser FIFA wird nichts kommen. Gianni Infantino, ihr Präsident, hat sie verzwergt.
Nur vordergründig verzeichnet der Fußball-Weltverband ein Wachstum. Der Gedanke des Gigantismus, das Teilnehmerfeld der WM auf 48 auszudehnen und neue Wettbewerbe wie die Club-WM zu schaffen, führt nicht zu Größe, sondern zu Kleinteiligkeit. Und vor allem: Die Anbiederungspolitik von Infantino hat der FIFA jede Möglichkeit der Intervention genommen. Der frühere blasse UEFA-Beamte gefällt sich als politischer Welt-Player, 2018 Seite an Seite mit Putin, 2022 mit den Scheichs in Katar – und spürt nicht einmal die Verachtung, die man ihm als willigem Vasallen entgegenbringt. Im Fall der WM 2026 erleben wir Unterwerfung in einer Dimension, die nicht vorstellbar erschien, mit der Verleihung eines Friedenspreises an Donald Trump. Tja, und nun verstößt der frisch gekürte FIFA-Friedenspreisträger ungeniert gegen das Völkerrecht.
Früher sind Sportgroßereignisse auch schon in Länder vergeben worden, in die sie nicht hingehörten – doch diese haben sich wenigstens im Vorfeld am Riemen gerissen. Von Trumps Amerika ist das nicht zu erwarten.
Guenter.Klein@ovb.net