Ein 18-Jähriger auf dem Darts-Olymp

von Redaktion

Luke Littler dominiert das WM-Finale und heimst 1,15 Millionen Euro ein

Keine Chance: Für Gian van Veen blieb im Finale nur die Rolle als Statist. © Goodwin/Imago

„Ich möchte alles gewinnen“: Luke Littler bleibt nach dem Titel hungrig und möchte eine Ära prägen. © Pitt/Imago

Ein Kuss auf die 20 Kilogramm schwere Sid-Waddell-Trophy: Littler konnte seinen WM-Titel verteidigen. © Pitt/Imago

London – Als Darts-Dominator Luke Littler auf den Rekord von Phil Taylor angesprochen wurde, wurde er fast etwas größenwahnsinnig. 16 WM-Titel? „Dafür brauche ich noch 15 oder 16 weitere Jahre, würde ich sagen“, scherzte der alte und neue Weltmeister bei der Pressekonferenz im Alexandra Palace. „Ich werde für eine lange Zeit hier sein und ich bin hier, um zu gewinnen.“ Für die bei der WM gedemütigten Rivalen klang dies wie eine Drohung.

Littler hat den im Vorjahr eroberten Darts-Thron mit seinen gerade einmal 18 Jahren eindrucksvoll verteidigt. Das famose 7:1 über den chancenlosen Niederländer Gian van Veen war ein Symbol für die Dominanz von Littler, der bei der ersten XXL-WM mit 128 Profis nie wirklich in Gefahr geriet. „Aktuell fällt mir kein Spieler ein, der ihn überhaupt irgendwie stoppen kann“, beschrieb der deutsche Profi Max Hopp die derzeitige Situation im Darts.

Das Rekordpreisgeld von einer Million Pfund (rund 1,15 Millionen Euro) und die gut 20 Kilogramm schwere Sid-Waddell-Trophy gehen an Littler. Als erst vierter Profi überhaupt konnte der Jungstar seinen Titel bei der WM verteidigen – zuletzt war dies Routinier Gary Anderson aus Schottland vor zehn Jahren gelungen. Daneben schafften dies Rekord-Champion Taylor und sein englischer Landsmann Adrian Lewis.

„Nichts wird jemals einen ersten WM-Titel übertreffen – für jeden, in jeder Sportart, denn es ist das erste Mal, dass man es geschafft hat. Aber hier ging es darum, dies zu bestätigen“, sagte Littler, der ein Traumjahr erwischt und vor der WM auch das World Matchplay, den World Grand Prix und den Grand Slam of Darts gewonnen hat.

In Taylor und Michael van Gerwen richteten am Finaltag auch die Größten der Szene warme Worte an den neuen Dominator. „Riesige Glückwünsche an @LukeTheNuke180. Super gemacht, du hast brillant gespielt“, schrieb „The Power“ Taylor bei X. Van Gerwen ließ Littler öffentlichkeitswirksam wissen: „Respekt für das, was du schon erreicht hast. Und für deine bewundernswerte Ausstrahlung in jungen Jahren.“

Die Rangliste führt er mit einem Vorsprung von mehr als 1,5 Millionen Pfund auf seinen Dauerrivalen Luke Humphries an. Bis in den Oktober hinein müsste der 18-Jährige keinen einzigen Pfeil werfen – und könnte im Ranking von Humphries und den weiteren Rivalen trotzdem nicht verdrängt werden. Doch von Pause ist bei Littler keine Spur. „Ich möchte alles dominieren. Ich möchte alles gewinnen“, kündigte Littler an.

Für van Veen, der bis zum Finale ein herausragendes Turnier gespielt hatte, blieb zeitweise nur die Rolle als Statist. „Ich hätte Luke auch gerne ein echtes Duell geliefert, doch das habe ich heute nicht geschafft“, sagte der Europameister aus den Niederlanden. In der Darts-Szene gibt es derzeit die Weltspitze um Humphries, van Veen und van Gerwen – doch zwei Stufen über allen befindet sich Littler ganz alleine.

Nur vier Sätze hat der junge Engländer in seinen sieben WM-Spielen verloren. Seine beiden größten Gegner bei dem Turnier im Ally Pally warfen keine Pfeile: im Finale schwirrte eine Wespe auf der Bühne knapp eine Minute um Littler und dessen Körper herum. Vor dieser schien der 18-Jährige kurzzeitig mehr Respekt zu haben als vor van Veen oder dem gewaltigen Druck in einem Finale.

„Unglaublich. Vielen Dank noch mal“, sagte Littler in Richtung der Fans. Sein 7:1 über van Veen war die letzte Partie in der West Hall des Alexandra Palace. Ab der nächsten WM wird in der größeren Great Hall gespielt. Dann sollen rund 5000 statt wie bisher 3000 Zuschauer pro Session Platz finden. Mehr Fans, mehr Spektakel – die nächste Littler-Show?DPA

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