Nikaido bremst Überflieger

von Redaktion

Japaner bezwingt Domen Prevc in Innsbruck – Hoffmann starker 5.

Nahe an der Perfektion: Hoffmann flog im zweiten Versuch Höchstweite. © IMAGO/Bachun

Schrei der Freude: Ren Nikaido holte am Bergisel den ersten Weltcupsieg seiner Karriere – und hat sogar noch gute Chancen auf das Tournee-Podest. © IMAGO/HAIST

Innsbruck – Der Bergisel hatte noch einmal alles versucht. Er hat den Überflieger ordentlich durchgeschüttelt. Doch am Ende war auch der berüchtigte Berg der Tiroler gegen Domen Prevc machtlos. Nur einen kleinen Schönheitsfleck hat er dem slowenischen Flugkünstler verpasst, mit dem der, von Springerphilosoph Toni Innauer zum „Schanzenalchemisten“ geadelte Prevc vermutlich ganz gut leben können wird. Der Grand Slam aus vier Tagessiegen ist weg – dank Störenfried Ren Nikaido, der in der vollgepackten olympischen Arena den Weltcup-Primus letztlich um 0,5 Punkte (weniger als 30 cm) überflügelte. Worüber der Japaner überglücklich war: „Das hätte ich nie erwartet.“

Doch sollten nach Prevc´ Platz-30-Absturz in der Qualifikation Zweifel aufgekeimt sein – Prevc wischte sie in Innsbruck lässig beiseite. 41,5 Punkte nimmt er zum Finale am Dreikönigstag auf seine österreichischen Verfolger Jan Hörl und Stephan Embacher (in Innsbruck 3.) mit. Umgerechnet 23 Meter, das ist auch auf der Schanze der Flieger in Bischofshofen kaum wettzumachen.

Soweit denken die Deutschen bei dieser Tournee ja schon länger nicht mehr. Und trotzdem reist man beim DSV mit einem positiveren Gefühl zum Finale als etwa im vergangenen Jahr . Man hat ein Topduo, das sich konstant in der erweiterten Weltspitze bewegt. Allen voran Felix Hoffmann, der nach dem stärksten Finalflug auf 130,5 Meter mit Platz fünf bestens leben konnte: „Ich bin schon stolz, dass ich hier so konstant vorne dabei bin.“ Den vielen tausend Deutschen bei der gewohnt lustigen Springerparty in Tirol gefiel es natürlich.

Kollege Philipp Raimund glückte das diesmal mit Platz 12 (126/124m) zwar nicht so ganz, doch auch der Schwabe tritt den Trip ins Pongau mit der Gewissheit an, sich in der Weltspitze festgesetzt zu haben. Was auch Bundestrainer Stefan Horngacher so sieht. „Philipps zweiter Sprung war nicht ganz optimal“, sagte der scheidende Chef des DSV-Teams, „aber wir können sehr zufrieden sein, dass wir zwei Springer vorne drin haben“.

Das Problem liegt, es ist ein Zeichen dieser Tournee, beim Blick nach hinten. Pius Paschke (28.) bewegt sich knapp über dem Strich der Top-30, Karl Geiger (32.) und Andreas Wellinger (37.) weiter knapp darunter. Worüber sich vor allem Wellinger mächtig ärgerte. „Ich habe meinen besten Sprung im Wettkampf gemacht und dann verk…. ich die Landung.“ So fehlten Nuancen bis in die Punkteränge. Horngacher gefiel es: „Ihr Niveau ist definitiv deutlich besser als in Oberstdorf.“

Das ist aber wohl auch bitter nötig mit Blick auf die Skiflug-WM und die Olympischen Spiele, die schon in wenigen Wochen warten. Denn auch aus der zweiten Reihe, das war ja eine Erkenntnis der ersten Tournee-Halbzeit im eigenen Land, kommt derzeit nicht viel. Weshalb DSV-Sportchef Horst Hüttel schon mit ein bisschen Neid ins Land des Co-Gastgebers Österreich blickt. Wenn dort Leute wie Titelverteidiger Daniel Tschofenig (6.) und vor allem Stefan Kraft (13.) nicht ganz an die Überform des Vorjahres anknüpfen können, dann springt dort eben der Nachwuchs in die Bresche. Der gerade 19-jährige Stephan Embacher lag am Bergisel im ersten Durchgang noch punktgleich mit Nikaido in Führung – am Ende wurde er mit 0,7 Punkten Rückstand Dritter. „Das ist schon beeindruckend“, meinte Hüttel anerkennend.

Gedanken, mit denen sich Domen Prevc nicht befassen muss. Der derzeit beste Flieger der Welt darf sich auf die nahende Siegerparty in Bischofshofen freuen.PATRICK REICHELT

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