Starker Typ: Thomas Dähne beim Hanteltraining. © Sampics
Belek – Am Sonntag sangen ihm die Fans ein Geburtstagsständchen, am Abend gab’s von den Mitspielern eine Torte. Tags drauf aber war Schluss mit lustig für Thomas Dähne. Internes Trainingsmatch in Belek – und ein Tritt ins Gesicht. Aber was ist schon eine blutige Nase, wenn es gilt, ein „Zu-Null“ zu verteidigen? „Da stand es 4:0 – und trotzdem wollte keiner dieses Gegentor kassieren“, sagt Dähne. „Jeder schmeißt sich rein. Das ist ein gutes Zeichen.“
Dähne, jetzt 32, gefällt die Mentalität seiner neuen Mannschaft – und die Löwen sind glücklich, wieder eine klare Nummer eins zwischen den Pfosten zu haben. Einen echten Siegertypen, der auch hart im Nehmen ist. Der beste Transfer des Sommers. Einer, der geräuschlos gekommen ist – und eine Ära ebenso geräuschlos beendet hat. Die von Ex-Fanliebling Marco Hiller (28, jetzt Eupen).
Dähne kam aus der Bundesliga, von Holstein Kiel, wo er im Abstiegsfinale das Vertrauen erhielt. Bis heute zahlt Kiel einen Teil seines Gehalts weiter. Ein Deal, der für 1860 Gold wert ist – und für Dähne genau der richtige Schritt. „Ich bin stolz, Nummer eins bei 60 zu sein“, sagt er.
Dähne ist keiner, der große Sprüche klopft. Er redet lieber über Rasenqualität, Trainingsintensität und Prozentpunkte. Über das, was in der 3. Liga den Unterschied macht. „Mit 98 Prozent kommst du hier nicht weiter“, sagt er. „Du brauchst jedes Mal 100.“ Das ist keine Phrase, sondern seine tägliche Arbeitsbeschreibung.
Sportlich ist Dähne unumstritten. Dabei war sein Start alles andere als einfach. Nachfolger einer Vereinsikone zu sein, ist undankbar. Dähne wusste das. „Mir ging es nie darum, fünf oder sechs Bälle zu halten“, sagt er. „Mir ging es darum, dass wir als Mannschaft erfolgreich sind.“ Ein Satz, der viel über seine Berufsauffassung aussagt.
Geboren in Oberaudorf, sesshaft geworden in Salzburg. Ein Leben zwischen Bergen, Familie und Fußball. Der Rummel interessiert ihnwenig, Social Media blendet der Urbayer aus. „Wenn du zu viel liest, macht dich das verrückt“, sagt er. Eine gesunde Einstellung bei einem aufgeregten Verein wie 1860.
Und die Zukunft? Sein Vertrag läuft aus. Gespräche stehen an. Sportgeschäftsführer Manfred Paula deutete an, dass 1860 gerne mit dem Hiller-Nachfolger verlängern würde. Ein Thema, bei dem Dähne zum Pokerface wird. „Im Fußball weißt du nie, was passiert“, sagt er. Aber auch: „1860 ist kein normaler Drittligist.“ Die Wucht des Vereins, die euphorischen Fans – all das hat Eindruck hinterlassen. Der weitgereiste Profi (u.a. Finnland, Polen) kann sich vorstellen, länger zu bleiben.
Dähne ist bei 1860 angekommen – als Nummer eins, als Leistungsträger, als Leader mit Ambitionen. Wäre es da nicht Zeit für eine Ansage? Sind schließlich nur vier Punkte auf Platz drei. Dähne findet, dass es nichts bringt, laut zu trompeten, was jeder im Stillen denkt. Das große Ziel behält er für sich, das kleinere spricht er aus: „Ich hoffe, dass wir weniger Gegentore bekommen als die 29 in der Hinrunde.“ So klingt einer, der die Tücken des Geschäfts kennt – und trotzdem liefern will. Auch für ihn selbst wäre der Aufstieg das schönste Geschenk.ULI KELLNER