Bayern-Youngster Lennart Karl am Sonntag beim Fanclub-Besuch im unterfränkischen Burgsinn. © Christ/Imago
München – Es dauerte nur wenige Stunden, bis Lennart Karl sich zum Handeln gezwungen sah: Noch am Sonntagabend deaktivierte der 17-Jährige nach seinem Fanclub-Besuch in Burgsinn die Kommentar-Funktion in seinen Social-Media-Profilen, sodass seitdem niemand mehr etwas unter seine Beiträge schreiben kann.
Der traurige Grund dafür: Karl ist zum Mittelpunkt einer Hasswelle im Internet geworden, tausende „Fans“ beleidigen den 17-Jährigen in den Sozialen Medien wegen seiner Aussagen beim Fanclub-Besuch. Dort wurde Karl von einem Kind gefragt, ob er neben dem FC Bayern noch einen weiteren Traumverein hätte. Karls Antwort: „Der FC Bayern ist ein sehr großer Verein. Es ist ein Traum, dort zu spielen. Aber irgendwann will ich auf jeden Fall mal zu Real Madrid. Das ist mein Traumverein, aber das bleibt unter uns. Natürlich ist Bayern etwas sehr Besonderes und es macht sehr viel Spaß.“
Daraufhin wurde von zahlreichen Social-Media-Nutzern als „Ratte“ bezeichnet, ihm wurden Verletzungen gewünscht oder sein Vereinsabgang gefordert. Einige der geschmacklosesten Beiträge wurden inzwischen von den Plattformen selbst gelöscht, unter seinen Fotos und auf der Plattform X (früher Twitter) kursieren aber weiterhin tausende Hasskommentare. Viele fordern zudem eine Erklärung Karls – der Youngster hat sich bislang aber nicht geäußert und scheint das Thema lieber abebben zu lassen, anstatt es noch zu vergrößern. Schließlich könnte ein Großteil der „normalen“ Fans schon besänftigt werden, wenn Karl in Zukunft weiter starke Leistungen auf dem Platz zeigt.
Ähnlich sieht man es auch beim FC Bayern. Natürlich war man innerhalb des Vereins nicht über die öffentliche Madrid-Aussage begeistert, weist aber gleichzeitig darauf hin, dass jeder Profi für den Verlauf seiner Karriere noch Ziele oder Träume neben dem FCB haben darf. Wichtig sei allein, dass ein Spieler sich reinhänge und sich komplett mit dem Club identifiziere – und das tue Karl merklich. Ein Statement oder eine Videobotschaft an die Fans plant man aus Vereinssicht nicht.
Das könnte laut Peter Rohlmann aber durchaus hilfreich sein. Der PR- und Marketingexperte würde Karl dazu raten, bei seinem nächsten Interview zu erklären, wie seine Aussage gemeint war – schließlich wurde das Zitat seiner Meinung nach aus dem Kontext gerissen und bewusst missverständlich verbreitet. Rohlmann sagte unserer Zeitung: „Er wurde gefragt, was sein Traumverein neben Bayern ist – nicht statt Bayern. Und was man nicht vergessen darf: Es ist doch gut, dass er sich weiter hohe Ziele steckt, anstatt sich nun auf seinen Erfolgen auszuruhen und satt zu sein. Das sollten auch die Fans verstehen.“V. TSCHIRPKE, M. BONKE