Lässiger Typ: Erich März, PR-Manager der Löwen Mitte der 90er-Jahre. © Imago
München/Belek – Der TSV 1860 hat schon immer Typen und Paradiesvögel angezogen – vom Wiener Zyniker Max Merkel über Erich Riedl, den früheren Bundestagsabgeordneten, bis zu Werner Lorant und Karl-Heinz Wildmoser, dem Kult-Erfolgsduo der 90er-Jahre. In dieser Zeit machte sich auch ein gewisser Erich März einen Namen. Dessen inoffizieller Titel lautete: PR-Manager.
Offiziell war März nie ganz zu greifen – und trotzdem allgegenwärtig. Er bewegte sich rund um den Münchner Fußball mit jener Mischung aus Selbstbewusstsein, Chuzpe und Münchner Grant, die man entweder bewunderte – oder ebenso schnell verfluchte. März war keiner für die zweite Reihe, er wollte gestalten, Einfluss nehmen, Spuren hinterlassen. Das gelang ihm nicht immer, aber öfter, als es ihm manche zugestehen wollten.
März war früh selbstständig und bewegte sich schon als junger Mann im Grenzbereich zwischen Fußball, Werbung und Medien – zu einer Zeit, als Sportmarketing noch kein Lehrstuhl war, sondern vor allem Vertrauenssache. In der wilden Aufbruchszeit der Sechzger übernahm er die Merchandising-Rechte beim Giesinger Traditionsverein, ein Geschäftsfeld, das damals eher vom Bauchgefühl als vom Businessplan lebte. Später kaufte Karl-Heinz Wildmoser diese Rechte zurück, nicht ohne Reibungsverluste.
Legendär blieb März’ größter Flop: das 1860-Toilettenpapier. Eine Idee, die es immerhin bis zur Produktion schaffte, dann aber rechtzeitig eingestampft wurde, ehe sie von Fans des großen Rivalen ihrer ganz eigenen Zweckbestimmung hätte zugeführt werden können.
März nahm auch das mit Humor. Über seine Fähigkeiten als Marketing-Mann sagte er einmal selbstbewusst: „Ich kann Scheiße für Butter verkaufen.“ Erich Meidert (69), damals Vizepräsident unter Karl-Heinz Wildmoser, erinnert sich: „Er wollte unbedingt rein bei 1860 und den Club groß vermarkten. Zunächst verbündete er sich mit Wildmoser, später wurde er von ihm wieder aussortiert.“
Erich März war Verkäufer, Netzwerker, Selbstdarsteller – und ein früher Macher in einer Branche, die erst Jahre später professionalisiert wurde. Er knüpfte Kontakte, als andere noch Visitenkarten sammelten. Franz Beckenbauer, Klaus Augenthaler – und sogar Pelé, den er im Zuge internationaler Vermarktungsthemen traf – gehörten zu den großen Namen, mit denen er im Fußballgeschäft zu tun hatte. Er war einer, der Türen öffnete, manchmal auch einrannte, und der in Münchens Sportwelt bestens vernetzt war.
Erich März ist vor wenigen Tagen im Alter von 74 Jahren verstorben. Er war Teil jener Löwen-Zeit nach dem historischen Durchmarsch in die Bundesliga, in der der Club groß dachte und noch größer auftreten wollte. Nach dem Tod von Werner Lorant an Ostern 2025 trauern die Sechzger um einen weiteren früheren Repräsentanten aus einer Epoche, in der nicht alles besser war, aber vieles hemdsärmeliger, lauter und folkloristischer.
Erich März war kein Heiliger. Wollte er auch nie sein. Er war ein Original. Und ein Stück TSV 1860. ULI KELLNER