Ganz viel Liebe: Prevc drückte dem Goldadler direkt einen Schmatzer auf. © Bachun/Imago
Bester DSV-Adler: Hoffmann wurde in der Tourneewertung Sechster. © Bachun/Imago
Der Erleuchtete: Prevc sprang in Bischofshofen sensationell zum Tourneesieg. © Karmann/dpa
Bischofshofen – Domen Prevc küsste den Goldenen Adler, 4000 slowenische Fans riefen immer wieder „Domen, Domen“, dann zog auch der entthronte Daniel Tschofenig anerkennend die Mütze: Mit einer erneuten Flugshow auf Rang zwei hat der überragende Weltmeister erstmals die Vierschanzentournee gewonnen und Geschichte geschrieben. „Das ist ein Kindheitstraum, der wahr geworden ist. Ich habe davon geträumt, seit ich als Kind Thomas Morgenstern und später meinen Bruder beobachtet habe“, sagte der neue König der Lüfte bewegt.
Während Prevc die Ovationen genoss, blieb den angeschlagenen DSV-Adlern auch in Bischofshofen nur eine Nebenrolle. „Domen ist der absolut verdiente Sieger. Glückwunsch“, sagte Felix Hoffmann. Der Thüringer sicherte trotz Knieproblemen als Zehnter auf der Paul-Außerleitner-Schanze zumindest den sechsten Rang in der Tourneewertung. „Das war eine coole Tournee, auch wenn der Abschluss leider nicht ganz zufriedenstellend war“, sagte Hoffmann in der ARD.
Nicht zu stoppen war aber Überflieger Prevc, der auf den Tag genau zehn Jahre nach seinem Bruder Peter die Tournee gewann. Nach 74 Jahren steht somit erstmals ein Brüderpaar in der Siegerliste. „Das ist überwältigend, ich bin sehr stolz“, sagte der Weltrekordler. Im Hexenkessel von Bischofshofen verpasste Prevc seinen dritten Tagessieg nur, weil der Österreicher Tschofenig mit Flügen auf 137,0 und 140,5 m zu stark war. Rang drei ging an den Japaner Ryoyu Kobayashi.
In der Gesamtwertung hatte Prevc nach Siegen in Oberstdorf, Garmisch-Partenkirchen und einem zweiten Platz in Innsbruck mit dem Tournee-Rekord von 1195,6 Punkten umgerechnet 23,5 Meter Vorsprung auf den Österreicher Jan Hörl (1153,3), der zum Abschluss Vierter wurde. Rang drei holte in Stephan Embacher (1150,6) ein weiterer ÖSV-Adler.
Der deutsche Meister Hoffmann (1120,3), der am Montag erstmals von anhaltenden Knieprobleme berichtet hatte, verpasste das insgeheim noch erhoffte Podest in der Gesamtwertung. „Bei ihm müssen wir jetzt die Untersuchung abwarten“, sagte Bundestrainer Stefan Horngacher.
Die übrigen DSV-Adler zeigten einen mäßigen Abschluss. Der stark erkältete Philipp Raimund landete auf dem zwölften Platz und fiel in der Tournee-Wertung noch auf Rang acht zurück. Pius Paschke landete am Dienstag auf Position 24. Die Sorgenkinder Andreas Wellinger (35.) und Karl Geiger (45.) verpassten auch im vierten Tournee-Springen den zweiten Durchgang.
Zu den ersten Gratulanten von Prevc gehörte sein Bruder Peter, der ebenfalls an der Schanze war. „Domen liebt es, Ski zu springen. Die Ergebnisse sehen wir jetzt“, sagte der 33-Jährige der ARD. Auch Schwester und Weltmeisterin Nika, die wenige Stunden zuvor im nahen Villach gewonnen hatte, fieberte mit: „Ich habe ihm eine kurze Nachricht geschrieben, er hat ein paar Witze gemacht. Ich wünsche ihm alles Gute“, sagte sie vor dem Wettkampf.
Zum ersehnten ersten deutschen Tourneesieg seit 2001/02 reichte es erneut nicht, im nächsten Winter ist der Grand Slam von Sven Hannawald bereits ein Vierteljahrhundert her.